Auf dem Gelände der Sternwarte und der Pröbsting-Schule bieten wir mit freundlicher Unterstützung der Stadt Borken und der Bresser GmbH zahlreiche Aktionen und Präsentationen für Groß und Klein.
Hierzu laden wir zum Samstag 26. August 2023 ab 14:00 Uhr ein.
Unser Aktionsprogramm
Unsere Sonne im Fokus: Sonnenbeobachtung im H-alpha-Licht mit speziellen Sonnenteleskopen
In Konkurrenz mit Hubble: Fotoausstellung mit tollen Astrofotos der Sternfreunde Borken e.V.
Mikrometeorite aus der Dachrinne: Gewaschen, gesiebt und dann ab unter das Mikroskop
Astro-Quiz für Kinder und Jugendliche: Nachdenken und grübeln für tolle Hauptgewinne
Bastel dir ein Universum: Mal- und Basteltisch für die Kleinen mit kleinen Mitmachpräsenten
Licht aus: Das geht uns alle an, Lichtverschmutzung am Nachthimmel
Büchertisch und Astrotrödel: Astrowissen kompakt im Sonderangebot
„.Frag Sophie“: Die schlaue Internetplattform der Uni Münster
Astrokuppel und Teleskope: Spannende Einblicke in die Technik der Sternwarte
Grillen und Chillen: Grillwurst mit Brötchen und Kaltgetränken
Sonne, Mond und Sterne: Beobachtungsabend mit Beginn der Dunkelheit in der Sternwarte
3200 t bewegte Masse mit einem Reflektor von 100 m Durchmesser für einen tiefen Blick ins Universum!
Wie schafft man es, mit so einem Riesending präzise Beobachtungsergebnisse aus den fernsten Regionen des Alls zu erlangen?
Dieser Frage und noch vielen weiteren Geheimnissen kamen wir am 13. Juni anlässlich eines Besuchs am Radioteleskop in Effelsberg auf die Spur.
Beschränkten sich unsere Himmelsbeobachtungen bisher fast ausschließlich auf das optisch sichtbare Spektrum, so durften wir in einer exklusiven Führung erfahren, mit welchen Mitteln die Radioastronomie das Universum erkundet.
Was ist das für eine Konstruktion? Was kann sie, welche Erkenntnisse liefert sie und vor allem, wie geht das?
Noch sind wir ahnungslos, was da auf uns zukommt
Mit diesen Fragen und Gedanken ging es zuerst in den Besucherpavillon.
Ein äußerst spannender und auf unsere Bedürfnisse abgestimmter Vortrag zeigte uns zunächst die fantastischen Konstruktionsdetails der Mechanik mit nur 0,3 mm Justiergenauigkeit und einer extremen Formstabilität in allen Positionen. Es folgten ausführliche Informationen über die Signalgewinnung, deren Auswertungsmethoden und die astronomischen Möglichkeiten der Erkenntnisgewinnung und deren Grenzen. Aus dem riesigen Portfolio der Forschungsergebnisse lernten wir einige spannende Beispiele kennen und zu verstehen.
Dann kam natürlich der Wunsch auf, sich direkt zu Füßen des Teleskops einen Eindruck über die Größenverhältnisse zu verschaffen und diese einfach mal mit einem herzhaften „Boah wat´n Ding“ zu bestaunen. Vorbei ging es an einigen Infotafeln des Planetenwegs, des Milchstaßenwegs und des Galxienwegs des Max-Planck-Instituts mit einem Zwischenhalt an den LOFAR-Antennen. Diese ermöglichen die Beobachtungen im astronomischen Meterwellen-Bereich. Und plötzlich steht man ganz nah vor dem Ungetüm und wird den Gedanken an statische Berechnungen, Baukräne, Schweißarbeiten, Schrauben und Nieten nicht mehr los. Den Malern hat man versichert, dass sie bis zur Rente einen sicheren Arbeitsplatz hätten.
Vor Ehrfurcht erstarrt?!
Ein kurzer Gang führte uns dann zum letzten Highlight: Ein Besuch im Kontrollraum mit ausführlichen Erklärungen zur Steuerungs- und Datentechnik. Auch wenn es uns schwer fiel, wir ließen die Finger von der Tastatur und auch der Touchscreen war tabu.
Alles im Griff!
Auf dem Weg nach draußen ging es noch kurz durch das kleine Museum im Nachbarraum mit der Technik der 70er und 80er Jahre. Für die älteren von uns sicher auch mit einigen nostalgischen Gefühlen!
Na klar, diese Eindrücke mussten erst einmal verarbeitet werden. Was bietet sich da mehr an, als ein Besuch des kleinen Restaurants am Ausgang des Geländes. Getränke und kleine Speisen halfen uns dabei die Gedanken zu sortieren und einzuordnen.
Und man glaubt es kaum: Zum Schluss drehte sich das Teleskop auch noch und winkte uns zum Abschied zu.
Diese tolle Exkursion verdanken wir unserem Vereinsmitglied und ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter an diesem Radioteleskop Dirk Fiebig.
Lieber Dirk, vielen Dank dafür.
Vor allem aber, geht ein herzlicher Dank an das Team des Max-Plank-Institus für Radioastronomie für die spannende und kompetente Führung.
Welche astronomischen Aktivitäten gab es zu historischen Zeiten im Raum Borken? Wer konnte bereits das beobachten, was Kopernikus und Galileo entdeckt hatten? Welche Rolle spielten der Ballturm der Burg Gemen, der Sterndeuterturm am Schloss Raesfeld und das „Sterndeuterhaus“ in Borken? Und wie entwickelte sich die heimische Astronomie in neueren Zeiten?
Diesen Fragen versuchten wir Sternfreunde anlässlich der Teilnahme an der Aktion „Bewegte Geschichte“ im Rahmen der 800-Jahrfeier der Stadt Borken am 11. Juli nachzugehen.
In einer Präsentation am „Diebesturm“ der Stadt Borken konnten sich interessierte Besucherinnen und Besucher über bekannte und belegte Begebenheiten, aber auch über rätselhafte und geheimnisvolle Überlieferungen informieren.
Viele Fragen blieben jedoch noch offen, während man die Vereinsgründung und die Entstehung der Sternwarte in einer ausführlichen Dokumentation nachvollziehen konnte.
Mit einem Nachbau des Galileoteleskops konnte man den Blick auf maßstabsgetreue Bilder der Planeten Jupiter und Saturn in 150m Entfernung direkt im Vergleich zu einem modernen Amateurteleskop beurteilen und dabei Galileos geniale Beobachtungsgabe bewundern.
In vielen, intensiven Gesprächen zeigte sich ein großes Interesse an der Astronomie und an unserer Vereinsarbeit, während die Kleinen in einem Astromemory-Spiel erste astronomische Kenntnisse sammelten.
Der August verspricht den Sternfreunden besondere Erlebnisse. Er gilt als Sternschnuppenmonat schlechthin, weil die Meteore der Perseiden am Himmel zu sehen sind. Der Höhepunkt der Perseiden wird am 13.August in den Morgenstunden erwartet. Bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde werden prognostiziert. Vorrausetzung ist allerdings eine mondlose, klare Nacht an einem dunklen Ort. Der Mond wird in diesem Jahr nicht stören. Dieser erfreut die Sternfreunde mit der Bedeckung der Sonne am 12.8.26. Wir können in Norddeutschland die partielle Phase einer Sonnenfinsternis verfolgen, bei der die Sonne fast zu 88 Prozent bedeckt wird. Vor 27 Jahren und einem Tag am 11.August 1999 fand in Süddeutschland eine totale Sonnenfinsternis statt. In Borken war der Bedeckungsgrad damals 93 Prozent. Wer in den Genuss einer totalen Sonnenfinsternis kommen möchte, der muss sich in den Süden begeben. Über Mallorca und Madrid können Reisende die verfinsterte Sonne erleben. Die Sonnenfinsternis beginnt um 19:16 Uhr. Die größte Bedeckung ist um 20:11 Uhr. Die Sonne wird dabei schon sehr tief am Westhimmel stehen. Man benötigt für eine erfolgreiche Beobachtung neben gutem Wetter auch noch eine freie Sicht zum Westhorizont. Zwei Wochen darauf, am 28.8.26 findet dann noch in den frühen Morgenstunden eine partielle Mondfinsternis statt. Der Mond wandert am 4:34 Uhr in den Schatten der Erde. Um 6:10 Uhr ist das Maximum der Finsternis zu erwarten. Der Mond steht dann gerade noch 10 Grad über dem Horizont am Westhimmel. Der geneigte Beobachter ist deswegen gut beraten, einen Platz mit freiem Westhorizont zu suchen. Neben den Beobachtungshighlights des Augusts bieten die Sternfreunde an zwei Abenden eine öffentliche Beobachtung an. Die Sternwarte ist am Freitag, den 7. August ab 22 Uhr geöffnet und am Mittwoch , den 12. August ab 19 Uhr geöffnet.
Der Juni ist der Monat der weißen Nächte. Jenseits des Polarkreises geht die Sonne gar nicht mehr unter und auch in unseren Breiten schließt sich die Morgendämmerung direkt der Abenddämmerung an. Für die Sternfreunde gibt es nur kurze Nächte Dafür beginnt die Saison für ein anderes himmlisches Schauspiel. In den Juninächten stehen die Chancen gut Leuchtende Nachtwolken zu sichten. Wie silbrige Schleier zieren sie in manchen Nächten den nördlichen Himmel. Mit dem Wettergeschehen haben die Wolken nichts zu tun. Sie entstehen in 80km Höhe fast im Weltraum. Dort kondensiert Wasser an kleinen Staubpartikeln, die durch Meteore oder durch Vulkanismus in diese Höhe gelangen können. Es wird auch vermutet, dass die zunehmenden Raumfahrtaktivitäten eine Rolle spielen. Die Sonne kann die Partikel noch lange nach Sonnenuntergang beleuchten und sie sind ein durchaus schönes Naturschauspiel. Die Raumfahrtaktivitäten der letzten Jahre macht sich in den Sommermonaten noch an anderer Stelle bemerkbar. Gerade wenn die Sonne nicht so tief unter den Horizont wandert, reflektieren die unzähligen Satelliten das Sonnenlicht. Gab es vor 5 Jahren noch 1600 Satelliten im Erdorbit, so ist die Zahl auf aktuell über 15000 gestiegen. Ein großer Anteil sind Telekommunikationssatelliten wie das Starlink-System. Experten schätzen, dass die Satelliten Zahl in den nächsten fünf Jahren die Hundertausendmarke überschreiten wird. Mit unschönen Folgen für den Anblick des Sternenhimmels und für die Atmosphäre der Erde.
Wegen der hellen Nächte bieten die Sternfreunde im Juni und Juli nur zwei Termine für die öffentliche Beobachtung an. So ist die Sternwarte in Hoxfeld am 5.Juni und am 3.Juli 2026 ab 22:30 Uhr geöffnet.
Am 1.Mai wanderte der Schatten von Ganymed in der Nähe vom GRF über Jupiter. Für den Fernrohrbesitzer sind solche Schattendurchgänge immer wieder ein besonderer beobachterischer Leckerbissen. Zudem wanderte der Jupitermond Europa vor die Jupiter-Scheibe. Das Schattenspiel begann bereits um 20.00 Uhr, als die Sonne noch nicht untergegangen war, somit im hellen Tageslicht. Anbei Impressionen von diesem Spiel der Jupiter Monde.
Die Venus im Sternwartenteleskop (Aufnahme: Strauch )
Nach Sonnenuntergang ziert ein helles Gestirn in diesen Tagen den Westhimmel. Der Abendstern, wie er im Volksmund genannt wird, ist kein richtiger Stern, sondern der Planet Venus. Die Venus verfolgt uns auf der inneren Sonnenbahn und gewinnt in den nächsten Wochen einen immer größeren scheinbaren Abstand zur Sonne. Bis zum 15 August wandert sie durch die Sternbilder Zwillinge, Krebs, Löwe in Richtung der Jungfrau. Dort ist dann der Winkelabstand zur Sonne maximal. Die Astronomen sprechen von der größten Elongation. Erst am 24. Oktober wird die Venus die Erde auf der Innenbahn überholen und im Sonnenlicht verschwinden. Einige Tage später taucht sie dann als Morgenstern am Osthimmel auf . Die Venus wird uns den ganzen Sommer über begleiten. Am 18. Mai wird sie vom zunehmenden Mond überholt und am 9. Juni kann man sich auf eine nahe Begegnung zwischen Venus und Jupiter freuen. Während die Venus an diesem Abend nur 179 Millionen Kilometer von uns entfernt ist, ist der Jupiter 904 Millionen Kilometer entfernt und erscheint nur halb so hell wie die Venus.
Die Venus beflügelte nicht nur die Dichter. Die Astronomen des 19. Jahrhunderts hielten Leben auf der Venus für möglich. Sie ist etwas kleiner als die Erde und von einer dichten Wolkenhülle umgeben. Man konnte sich warme Ozeane und dichte Urwälder vorstellen. Die Vorstellung von Leben auf den anderen Planeten des Sonnensystems war im 19. Jahrhundert durchaus populär. Mit der Landung der Verena 7 Sonde im Jahr 1970 wurde es aber offenbar, dass die Venus ein höllischer Ort ist. Die Oberflächentemperatur beträgt 450°C bei einem Atmosphärendruck von 90 bar. Die Sonde überlebte nur wenige Minuten. Die Entwicklung von Leben war damit ausgeschlossen. Im Sonnensystem scheinen wir ziemlich alleine zu sein.
Der Blick auf die Venus zeigt keine Oberflächendetails. Sie scheint als helles Planetenscheibchen am Himmel. Deutlich kann man aber ihre Phasen verfolgen, weil die Venus innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist. Während sie Anfang Mai noch fast als Vollvenus erscheint, nimmt sie in den Folgewochen ab. Am 15 August ist Halbvenus. Danach nähert sie sich der Erde immer mehr und wird langsam zur Venussichel, die aber an Größe gewinnt. Am 19. September hat sie ihren Größten Glanz und erreicht damit die größte Helligkeit während ihrer Sichtbarkeitsphase als Abendstern.
Die Sternfreunde zeigen die Venus in den nächsten Wochen an den öffentlichen Abenden mit ihren Teleskop an der Josef Bresser -Sternwarte. Im Mai beginnen die Beobachtungsabende am 8.5.26 und 21.5.26 ab 22:00 Uhr.
Der Frühlingshimmel wird durch das Sternbild des Löwen dominiert. Das Sternbild erinnert an den nemeischen Löwen der griechischen Mythologie. Die Raubkatze wurde von Herkules getötet, weil sie die Stadt Nemea bedrohte. Die Tötung war die erste seiner zwölf Aufgaben, die ihm auferlegt wurden. Die einprägsame Konstellation der Sterne zeigt einen ruhenden Löwen. In modernen Zeiten würde das Sternbild Löwe möglicherweise als Dampfbügeleisen deklariert werden, wenn man sich die Anordnung der Sterne anschaut. Immerhin wird der Große Bär volkstümlich auch gerne als Großer Wagen bezeichnet. Die hellsten Sterne des Löwen sind Regulus an der Vordertatze, Denebola am Schwanz und Algieba am Hals des Löwen. Auch die Sterne Zosma, Coxa und Aldafera gehören zu den Hauptsternen des Löwen. Die Sterne sind alle zwischen 35 bis 260 Lichtjahren entfernt und man würde sie zur erweiterten Nachbarschaft der Sonne zählen.
Der Stern Regulus liegt der Ekliptik sehr nahe und kann von Mond und Planeten bedeckt werden. Am 29.März 2026 wird der Mond Regulus bedecken. Danach kommt es zu einer längeren Pause . Erst am 31.Mai 2036 kommt es wieder zu einer Bedeckung von Regulus durch den Mond. Noch seltener sind Bedeckungen des Sterns durch Planeten. Erst am 1. Oktober 2044 kann man eine Bedeckung des Sterns durch den Planeten Venus beobachten. Die letzte Bedeckung fand im Jahr 1959 statt. Sie wurde wissenschaftlich begleitet um die Eigenschaften der Venusatmosphäre zu untersuchen. Der Stern Algieba ist ein schönes Doppelsternsystem. Bereits in kleinen Teleskopen kann man die beiden Sterne getrennt beobachten, die sich gegenseitig umkreisen. Allerdings benötigen sie etwa 550 Jahre für einen Umlauf. Der Schwanzstern Denebola ist ein heller Hauptreihenstern, dessen Licht 35 Jahre zu uns unterwegs ist. Er gehört mit einem Alter von etwa 300 Millionen Jahren noch zu den Teenagern der Milchstraße. Neben den Sternen findet man auch einige Nebelchen des Messierkatalogs im Sternbild des Löwen. Der Franzose Charles Messier dokumentierte sie im 18. Jahrhundert um Verwechselungen bei Kometenentdeckungen zu vermeiden. Seine Aufstellung ist heute noch in der Amateurastronomie sehr beliebt.
Die Sternfreunde zeigen den Löwen während der öffentlichen Beobachtungen am 3. April und am 16. April ab 21:30 Uhr in ihr Programm und laden Interessierte herzlich zur Josef Bresser-Sternwarte in Hoxfeld ein.
IRAS-Quellen sind bestimmt keine Premium-Ziele für die Hobby-Astronomie .
Im Jahr 1983 startete das IRAS-Teleskop als erstes Weltraumteleskop die Erkundung des Himmels nach Infrarotquellen. Das Teleskop war ein knappes Jahr in Betrieb bis das Kühlmittel zur Neige ging. Infrarotkameras müssen naturgemäß sehr weit herunter gekühlt werden. Das IRAS-Kamerasystem wurde auf unter 5 Kelvin abgekühlt. Auch das moderne James Webb-Teleskop, das im Infrarotlicht arbeitet, wird auf unter 7 Kelvin heruntergekühlt. Diese Eigenschaften können Hobbyastronomen noch nicht liefern. Deswegen bleibt der Infrarothimmel den Weltraumteleskopen vorbehalten, zumal die Erdatmosphäre einen Großteil des Infrarotlichts ausfiltert.
Das IRAS-Teleskop untersuchte über 300.000 Infrarotquellen. Insbesondere Sternentstehungsgebiete waren von besonderem Interesse, weil das Infrarotlicht den Staubmantel um Sternentstehungsgebiete durchdringen kann. Aber es gibt ja mehr am Infrarothimmel zu entdecken.
Frosty Leo im 8″ F3,9 Newton-Teleskop . Die Ausschnittsvergrößerungen zeigen die äußeren Lobes (Ohren) und den hellen inneren Teil, der bipolar erscheint.
Die IRAS-Quelle IRAS 09371+121 wurde im Jahr 1986 gefunden. Im visuellen Bereich ist diese Quelle als Sternchen 11.Größe zu finden und selbst kleineren Amateurteleskopen zugänglich. Die Untersuchung des Objekts führte zu einem sehr ungewöhnlichen Objekt. Es wurde ein bipolarer Nebel gefunden, der einen Zentralstern der Spektralklasse K7 besitzt. Somit ähnelt er einem Planetarischen Nebel. Wir haben es allerdings wohl mit der Vorstufe eines solchen Nebels zu tun – einen protoplanetarischen Nebel. Der Zentralstern ist verlässt gerade die Hauptreihe und wandelt sich zum Roten Riesenstern, der sich seiner äußeren Gashülle entledigt und sich zum Planetarischen Nebel entwickelt. Ähnliches steht der Sonne in den nächsten 4 bis 5 Milliarden Jahren bevor. Der Stern selbst ist übrigens nicht sichtbar, weil sein Licht durch die Staubhülle stark geschwächt wird. Einzigartig ist dabei die Beobachtung, dass in seiner Umgebung Wassermoleküle gefunden wurden. Die sind aber nicht als Wasserdampf beobachtet worden, sondern als Eiskristalle , die an silikatischen Staub gebunden sind. Der sichtbare Nebel entsteht nicht durch Emission, sondern ist ein Reflexionsnebel, der das Licht des zentralen Sterns reflektiert. Die Entdeckung des Eises war für die Astronomen sehr überraschend. Deswegen wurde der kleine Nebel „Frosty Leo“ getauft. Das Objekt ist, wie der Name es schon verrät, im Sternbild Löwe zu finden.
Frosty Leo ist also ein sehr junger Nebel. Sein Alter wird auf 1000- 3000 Jahre geschätzt. Der innere Teil, der die bipolare Struktur ausmacht, wird mit einem Alter von 600 Jahren angegeben. Es bleibt aber zu erwähnen, dass der Nebel etwa 10000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Wir sprechen also vom Beobachtungsalter.
Frosty Leo gehört bestimmt nicht zu den spektakulären Anblicken im Teleskop. Die Beobachtung mit Amateurmitteln ist schon etwas herausfordernd . Der hellste Bereich ist nur 15 Bogensekunden groß. Astrofotos zeigen eine Größe von etwa 35 Bogensekunden. So viele Details wird man also nicht wahrnehmen können.
Ich hatte Frosty Leo mit einem 8“ Teleskop , einer ASI 294mm fotografiert. Es sind keine sehr langen Belichtungszeiten erforderlich, um den zweigeteilten Nebel mit den beiden Öhrchen (Astronomen nennen die Ohren Lobes) abzubilden.
Aufsuchkarte für Frosty Leo. Nordöstlich des Sterns Xi Leo findet man ein markantes Dreieck aus Sternen. Etwas darunter gibt es 4 Sterne, die eine Linie bilden. Unterhalb des östlichsten Sterns findet man Frosty Leo. Bei hoher Vergrößerung sitzt er auf der Spitze eines kleinen Dreiecks von Sternen der 13. Größe.Eine Sternfeldaufnahme mit einen 400mm Teleobjektiv hilft als Übersicht für die Suche
Im 10“ Dobson Teleskop war Frosty Leo ebenfalls zu sehen. Nach dem Aufsuchen mittels Starhopping, für das man eine gute Sternkarte benötigt, kann man den nebeligen Charakter von Frosty Leo mit hoher Vergrößerung wahrnehmen. Im 16 Zöller soll man sogar die bipolare Struktur erkennen. Kontrastfilter , wie ein OIII oder ein UHC-Filter bringen keinen Vorteil. Wie schon geschrieben, ist der Nebel um den Zentralstern ein Reflexions-Nebel.
Es ist insgesamt ein eher subtiles Objekt. Seit der Entdeckung sind aber 165 wissenschaftliche Arbeiten (Stand 2026) im Zusammenhang mit Frosty Leo veröffentlicht worden.
Ein Geheimtipp , der in den Lonely Objekt-Führer des Universums gehört, ist der Frosty Leo also nicht.
Der heute geläufige Gregorianische Kalender orientiert sich am Lauf der Erde um die Sonne. Er wurde 1582 eingeführt und löste den Julianischen Kalender ab, dessen Jahreslänge um 11 Minuten zu lang war. Angestoßen von der Katholischen Kirche, die eine genaue Vorhersage des Osterdatums forderten, arbeiteten die Astronomen des 14. und 15 Jahrhunderts an einer Reform des Kalenders.
Die Himmelsscheibe von Nebra ( aus dem 3D-Drucker )
Ein Kalender ist aber nicht nur wegen der kirchlichen Feiertage von Relevanz. Sesshafte Kulturen schufen Kalender um das Land erfolgreich zu bewirtschaften. In Europa findet man viele alte Observatorien, die der Himmelsbeobachtung dienten. Die im Jahr 1999 entdeckte Himmelsscheibe von Nebra lieferte einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen der Bronzezeit vor 4000 Jahren. Ihr Kalendersystem beruhte auf Mondbeobachtungen. Auf der Himmelsscheibe findet man neben der Darstellung des Mondes auch die Sterne des Sternhaufens der Plejaden. Das ist kein Zufall. Die Plejaden spielten für die Menschen der Bronzezeit eine besondere Rolle. Monatlich zog der Mond an ihnen vorbei. Er konnte sie sogar bedecken.
Der zunehmende Mond bei den Plejaden im Frühling
Zu Frühjahrsbeginn kann man die schmale Mondsichel bei den Plejaden beobachten. Im Herbst ist es dann der fast volle Mond. Der Mond und die Plejaden waren wichtiger Zeiger für das Fortschreiten des Jahres und somit für die Termine der Landbestellung. Am 23.März zieht der Mond wieder an den Plejadensterne vorbei und bedeckt einige Sterne sogar. Leider findet das in den Morgenstunden statt. Für die Menschen der Bronzezeit wäre der Mond bereits schon zu „voll“. Erst die Begegnung des Mondes mit den Plejaden im April hätte für sie den Frühling eingeläutet. Der Mondkalender der Bronzezeit geht heute etwas nach. Für uns beginnt der Frühling am 20.März um 15:45, wenn die Sonne den Frühlingspunkt am Himmel erreicht. Dieser ist im Sternbild der Fische zu finden. Die Sternfreunde zeigen den Mond und die Plejaden trotzdem gerne. Die Sternwarte öffnet ihre Türen am 6. März und am 19.März 2026 ab 20:30 Uhr . Am 28.März findet der deutschlandweite Tag der Astronomie statt. Die Sternfreunde werden abends ab 20 Uhr eine öffentliche Beobachtung an der Sternwarte anbieten.
Am 30. Januar 2026 entdeckte der japanische Astronom Masaki Tsuboi einen neuen Stern in der Nähe der Galaxie NGC 2398. Die Galaxie ist eher gewöhnlich , besitzt eine Helligkeit von 14,4 mag und befindet sich im Sternbild Zwillinge. Der neue Stern aber , eine Supernova, zeigte einen sehr schnellen Helligkeitsanstieg und war schon bald heller als 16 mag. Die Untersuchung des Spektrums brachte eine Rotverschiebung von z=0.029724 zu Tage . Die Zugehörigkeit zur Galaxie NGC 2398 mit einer Rotverschiebung von z=0.029517 war schon sehr naheliegend. Allerdings befindet sich die neue Supernova fast 2 Bogenminuten vom Zentrum der Galaxie entfernt. Die Galaxie ist etwa 400 Millionen Lichtjahre entfernt. Somit würde die Supernova ebenfalls 230.000 Lichtjahre entfernt vom Zentrum der Galaxie zu finden sein. NGC 2398 wäre schon sehr groß.
Aufnahme von NGC 2398 mit AT2026cex im Februar 2026 .
Die sonderbaren Eigenschaften der Supernova, der schnelle Helligkeitsanstieg und die detektierte große Leuchtkraft waren Anlass der Astronomen , den neuen Stern als ein LFBOT zu klassifizieren. Wer nun nichts mit diesen Kürzeln anzufangen weiß, der ist wohl in guter Gesellschaft. LFBOT steht für Luminous fast blue optical transient. Ins deutsche Übersetzt hat das die Bedeutung: heller, schneller, blauer Vorübergehender. Die Klasse der LFBOT-Erscheinungen ist noch recht jung. Sie beschreibt eben außergewöhnlich helle Supernovae, die einen ziemlich schnellen Anstieg der Helligkeit haben, dann aber auch rasch wieder abklingen. Bisher hat man nur wenige dieser Ereignisse beobachten können. Sie sind sehr rar. Die Supernova in NGC 2398, auch AT 2026cex genannt, wäre erst die zehnte Supernova dieser Art. Das Interesse daran ist entsprechend groß, zumal die genauen Umstände für diese Art von Energieausbruch noch nicht geklärt sind.
Die erste Supernova dieser Art wurde im Jahr 2018 in der Galaxie CGCG 137-068 entdeckt, einer lichtschwachen Galaxie im Sternbild Herkules. Die Explosion eines Sterns in der 200 Mio. Lichtjahre fernen Galaxie war 100mal heller als übliche Supernovae. Auch war ihr Erscheinen und Abklingen sehr rasch. Der zufällige Name der Supernova, der auf die Nomenklatur von Supernova-Entdeckungen zurückzuführen ist, ist AT2018cow. Schnell bekam sie den Spitznamen „die Kuh“. Die Kuh war also ein seltenes astronomisches Ereignis, das einen intensiven Energieausbruch erzeugt, 100 mal mehr als ein „normaler“ Sternenkollaps. AT2018cow wurde deswegen aufmerksam beobachtet. Es wurden einige Vorschläge erarbeitet, die diesen extremen Energieausbruch erklären könnten. In einigen dieser Szenarien wird ein Stern zügig von einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch gefressen. Auch ein Weißer Zwerg können Opfer eines Masse-Giganten geworden sein . Denkbar wären auch Wirkungen relativistischer Jets eines Neutronensterns auf die zirkumpolare Scheibe eines anderen Sterns.
Sicher ist nur, dass ein kleiner Raumbereich betroffen ist, also dass das Objekt, das die Supernova ausgelöst hat, sehr klein ist. Ein schneller Lichtwechsel von AT2018cow von 4,4 Millisekunden lassen auf eine maximale Größe von ca. 1300 km Durchmesser schließen. Vermutlich ist es ein Neutronenstern, vielleicht ein Schwarzes Loch.
Die Astronomen erhoffen sich, dass die vielen Himmelsdurchmusterungen, wie PANSTARRS,ZTF und co , weitere LFBOTs entdecken werden, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Und AT 2026cex wurde zunächst als ein solches seltenes Ereignis identifiziert.
Kommen wir aber nun von der Kuh zu Tur Tur. In der Augsburger Puppenkiste war Tur Tur ein Scheinriese , der aus großer Entfernung groß wirkte und näher kommend immer kleiner wurde. Neue Beobachtungen ergaben, dass AT2026cex mehr Scheinriese ist als eine neue Kuh.
Schaut man sich die Region um AT2026cex vor dem Ereignis an, dann findet man dort einen Stern der 20.Größenklasse. Für einen Stern in einer Distanz ist das viel zu hell. Zweites Argument gegen einen LFBOT wäre der Anstieg von nur 5 bis 6 Magnituden. Das wäre wiederum zu wenig.
Der Vergleich der Aufnahme vom 9.2.2026 mit einer alten Aufnahme aus den Sloan Digital Sky Survey. Der Stern ist nur schwach erkennbar.
Der Astrometriesatellit Gaia hatte den Stern vermessen und fand eine stellare Parallaxe von 3,030 Millibogensekunden, was einer Entfernung von ca. 1065 Lichtjahren entspricht. Es wäre noch die Möglichkeit zu diskutieren, dass der LBOT genau in der Sichtlinie zu diesem Stern liegt. Das wäre in ziemlicher Zufall, aber dennoch möglich. Aber Folgebeobachtungen brachten weitere Details ans Licht, die den Verdacht erhärteten, nur eine „einfache“ galaktische Nova beobachtet zu haben.
Der plötzliche Anstieg der Helligkeit um 5 bis 6 Größenklassen passt nämlich gut zu einer galaktischen Nova. Spätere Beobachtungen zeigen dann auch eine Helligkeitsschwankung mit einer Periode von etwa 80 Minuten, ein ebenso typisches Phänomen für eine Akkretionsscheibe eines binären Sternsystems.
Somit wurde das seltene LFBOT -Ereignis zu einer galaktischen Nova, die nicht ganz so selten sind. Von der Kuh zu Tur Tur …