Bis zur kopernikanischen Revolution gingen die Sternkundigen von der Unveränderlichkeit des Sternhimmels aus. Auch wenn es Beobachtungen von „neuen“ Sternen gab, wie die Supernova 1054 nach Chr. oder die Beobachtung von Tycho deBrahe , der im Jahr 1572 eine Nova im Sternbild Cassiopeia beobachtete, gab es keine Kunde von der Beobachtung veränderlicher Sterne. Somit gilt der Stern omi Cetus als erster entdeckter veränderlicher Stern.
Der ostfriesische Pfarrer und Astronom David Fabricius , übrigens ein Schüler Brahes, entdeckte am 13. August 1596 einen neuen Stern am sonst so vertrauten Firmament. Merkwürdigerweise verschwand der Stern im Sternbild Walfisch in den nächsten Wochen wieder.
Fabricius hielt den Stern für eine Nova und er verfolgte den weiteren Verlauf des Sterns nicht mehr. Der Astronom Johannes Bayer aber trug den Stern als omikron Ceti mit einer Helligkeit der 4. Größe im Jahr 1602 in seine Sternkarte ein.

Quelle https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/Uranometria_Cetus.png)
Cetus in Bayers Uranometria
Im Jahr 1609 konnte Fabricius den Stern wiederfinden
und der seltsame Sterne fand größere Aufmerksamkeit. Die Veränderlichkeit des Stern wurde aber erst von Johannes Phocylides Holwarda, einem friesischen Astronom, im Jahr 1638 untersucht. Johannes Holwarda bestimmte eine periodische Helligkeitsänderung von 11 Monaten. Es verging noch etwas Zeit bis der seltsame Stern soviel Aufmerksamkeit auf sich zog, dass er einen Namen bekam. Johannes Hevelius, der von 1611 bis 1687 in Danzig lebte ,taufte den Stern auf Stella Mira Ceti, was soviel heißt wie Wundersamer Stern im Walfisch. Und Mira ist wirklich wunderlich !!

Der Stern Mira im Walfisch ist der erste bekannte langperiodisch veränderliche Stern und ist heute der Hauptvertreter einer ganzen Sternenklasse, den Mira-Sternen.
Seit der Entdeckung von Mira ist man auf tausende von Sternen gestoßen, die sich wie Mira verhalten. Erklären konnten sich die Forscher das Phänomen der Mirasterne lange nicht. Hierzu muß man folgendes vorwegnehmen: Mirasterne sind pulsierende Sterne- Sterne und periodisch ihre Helligkeit verändern. Von der Erde aus wirken sie wie kosmische Leuchttürme.
Das Geheimnis des Mirasterns ist reine Sternenphysik. Wie unsere Sonne auch, findet im Kern des Sterns die Energiegewinnung durch die Fusion von Wasserstoff zu Helium statt. Die Energie wird als Strahlungswärme in äußere Bereiche des Sterns getragen. Dabei kommt es im Innern des Mirasterns zu einem Wärmestau. In einer bestimmten Schale des Mirasterns wird die durch Kernfusion frei gesetzte Energie für die Ionisierung von Wasserstoff verbraucht. Die Energie wird in dieser Schale gespeichert. Die fehlende Energie lässt den Stern schrumpfen. In regelmäßigen Abständen werden die elektrischen Kräfte innerhalb der Schale dann so stark, daß sich die Atome wieder rekombinieren . Die vorher eingefangene Energie wird wieder freigegeben und der Stern bläht sich auf. Unkonventionell könnte man sagen, daß die ionsierte Wasserstoffschale wie ein riesiges Akku arbeitet, das aufgeladen wird und sobald es voll ist , die Energie wieder abgibt. Der Stern Mira variiert Größe und Temperatur dabei um 20 Prozent.
Soweit ist das Prinzip der Mirasterne gut verstanden, da dieser Prozess von vielen veränderlichen Sternen , wie die Cepheidensterne, bekannt ist. Das Rätsel der Mirasterne ist die Dimension der Helligkeitsschwankungen. Ein Stern, dessen Temperatur und Größe um immerhin 20 Prozent variiert, unterliegt einer Helligkeitsschwankung von 8 Größenklassen !!! Im Maximum ist Mira ein Stern 2. Größe , sein Minimum liegt bei etwa 10 mag. Das ist mehr als erstaunlich. Die Leuchtkraft des Stern verändert sich um den Faktor 1500 .
Die Astronomen suchten lange nach einer Erklärung für das Phänomen Mirasterne.
Es bedarf offensichtlich noch eines zusätzlichen Effektes, der die dramatischen Helligkeitsschwankungen von Mira erklären kann.
Die Lösung lieferten vor kurzem die amerikanischen Astronomen Mark Reid und Joshua E. Goldston, die die Idee ihrer Kollegen Edison Pettit und Seth Nicholson von 1933 aufarbeiteten. Pettit und Nicholson vermuteten, daß sich in der Gashülle von Mirasternen beim Aufblähen Metalloxide bilden können, die das Licht abschwächen. Die beiden Astronomen des frühen 20. Jahrhunderts konnten die Hypothese nicht belegen. Es fehlte die technischen Möglichkeiten.
Goldston und Reid holten dieses nach und konnten das kuriose Verhalten der Mirasterne im Jahr 2001 mit dem Vorhandensein von Metalloxiden erklären.
Das Aufblähen der Sterne kühlt ihre Oberfläche ab. Unterhalb von 1100° Grad Celsius kondensieren Metalloxide .Die Metalloxide vermindern die Lichtdurchlässigkeit der Hülle besonders im sichtbaren Bereich. Zieht sich der Stern wieder zusammen, erhöht sich die Oberflächentemperatur und die Metalloxide verdampfen wieder. Das Licht der fernen Sonne kann ungehindert passieren.
Zu diesen Metalloxiden gehört unter anderem Titanoxid, das in Sonnencremes als weißes Pigment Einsatz findet. Mirasterne liefern sozusagen ihren eigenen Sonnenschutzfaktor.
Im April 2002 wurde die Studie von Goldston und Reid in der Fachzeitung „ Astrophysical Journal “ veröffentlicht.(15504 931..938 )
Ein Helligkeitsunterschied von 8 Größenklassen macht es selbst den ungeübten Beobachter leicht, einen Veränderlichen Stern zu beobachten. Im Januar 2026 steigt die Helligkeit des Sterns Mira sehr schnell an. Das Helligkeitsmaximum wird um den 7. März erwartet. Danach nimmt die Helligkeit von Mira sehr schnell wieder ab.
Diese Daten sind nur als ungefähre Richtwerte zu bemessen, da das Verhalten der Mirasterne wegen der oben erklärten Effekte, die nicht ganz berechenbar ist.

(Quelle: Mira light curve – Category:Light curves of Mira variables – Wikimedia Commons
Mira ist ein veränderlicher Stern, der wirklich leicht zu beobachten ist. Man kann seinen Helligkeitsverlauf über Monate beobachten. Es ist nicht notwendig, sich die jeweiligen Minima oder Maxima ausrechnen zu lassen, wie es bei kurzperiodischen Veränderlichen ist. Die Verfolgung der Helligkeitsverläufe von kurzperiodischen Veränderlichen setzt stabiles klares Wetter über einen längeren Zeitraum voraus. Das ist bei Mira nicht der Fall. Hier verpasst man nichts, wenn man den Stern ein paar Tage nicht zu Gesicht bekommt.

2002 konnte ich Mira mit einer einfachen digitalen Kamera bereits verfolgen. Heute werden einfachste Kameras zu besseren Ergebnissen führen.
Ich hoffe, ich habe den einen oder anderen angeregt, nach dem Stern mit dem Sonnenschutzfaktor zu sehen.















