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Frosty Leo

IRAS-Quellen sind bestimmt keine Premium-Ziele für die Hobby-Astronomie .

Im Jahr 1983 startete das IRAS-Teleskop als erstes Weltraumteleskop die Erkundung des Himmels nach Infrarotquellen. Das Teleskop war ein knappes Jahr in Betrieb bis das Kühlmittel zur Neige ging. Infrarotkameras müssen naturgemäß sehr weit herunter gekühlt werden. Das IRAS-Kamerasystem wurde auf unter 5 Kelvin abgekühlt. Auch das moderne James Webb-Teleskop, das im Infrarotlicht arbeitet, wird auf unter 7 Kelvin heruntergekühlt. Diese Eigenschaften können Hobbyastronomen noch nicht liefern. Deswegen bleibt der Infrarothimmel den Weltraumteleskopen vorbehalten, zumal die Erdatmosphäre einen Großteil des Infrarotlichts ausfiltert.

Das IRAS-Teleskop untersuchte über 300.000 Infrarotquellen. Insbesondere Sternentstehungsgebiete waren von besonderem Interesse, weil das Infrarotlicht den Staubmantel um Sternentstehungsgebiete durchdringen kann. Aber es gibt ja mehr am Infrarothimmel zu entdecken.

Frosty Leo im 8″ F3,9 Newton-Teleskop . Die Ausschnittsvergrößerungen zeigen die äußeren Lobes (Ohren) und den hellen inneren Teil, der bipolar erscheint.

Die IRAS-Quelle IRAS 09371+121 wurde im Jahr 1986 gefunden. Im visuellen Bereich ist diese Quelle als Sternchen 11.Größe zu finden und selbst kleineren Amateurteleskopen zugänglich. Die Untersuchung des Objekts führte zu einem sehr ungewöhnlichen Objekt. Es wurde ein bipolarer Nebel gefunden, der einen Zentralstern der Spektralklasse K7 besitzt. Somit ähnelt er einem Planetarischen Nebel. Wir haben es allerdings wohl mit der Vorstufe eines solchen Nebels zu tun – einen protoplanetarischen Nebel. Der Zentralstern ist verlässt gerade die Hauptreihe und wandelt sich zum Roten Riesenstern, der sich seiner äußeren Gashülle entledigt und sich zum Planetarischen Nebel entwickelt. Ähnliches steht der Sonne in den nächsten 4 bis 5 Milliarden Jahren bevor. Der Stern selbst ist übrigens nicht sichtbar, weil sein Licht durch die Staubhülle stark geschwächt wird. Einzigartig ist dabei die Beobachtung, dass in seiner Umgebung Wassermoleküle gefunden wurden. Die sind aber nicht als Wasserdampf beobachtet worden, sondern als Eiskristalle , die an silikatischen Staub gebunden sind. Der sichtbare Nebel entsteht nicht durch Emission, sondern ist ein Reflexionsnebel, der das Licht des zentralen Sterns reflektiert. Die Entdeckung des Eises war für die Astronomen sehr überraschend. Deswegen wurde der kleine Nebel „Frosty Leo“ getauft. Das Objekt ist, wie der Name es schon verrät, im Sternbild Löwe zu finden.

Frosty Leo ist also ein sehr junger Nebel. Sein Alter wird auf 1000- 3000 Jahre geschätzt. Der innere Teil, der die bipolare Struktur ausmacht, wird mit einem Alter von 600 Jahren angegeben. Es bleibt aber zu erwähnen, dass der Nebel etwa 10000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Wir sprechen also vom Beobachtungsalter.

Frosty Leo gehört bestimmt nicht zu den spektakulären Anblicken im Teleskop. Die Beobachtung mit Amateurmitteln ist schon etwas herausfordernd . Der hellste Bereich ist nur 15 Bogensekunden groß. Astrofotos zeigen eine Größe von etwa 35 Bogensekunden. So viele Details wird man also nicht wahrnehmen können.

Ich hatte Frosty Leo mit einem 8“ Teleskop , einer ASI 294mm fotografiert. Es sind keine sehr langen Belichtungszeiten erforderlich, um den zweigeteilten Nebel mit den beiden Öhrchen (Astronomen nennen die Ohren Lobes) abzubilden.

Aufsuchkarte für Frosty Leo. Nordöstlich des Sterns Xi Leo findet man ein markantes Dreieck aus Sternen. Etwas darunter gibt es 4 Sterne, die eine Linie bilden. Unterhalb des östlichsten Sterns findet man Frosty Leo. Bei hoher Vergrößerung sitzt er auf der Spitze eines kleinen Dreiecks von Sternen der 13. Größe.
Eine Sternfeldaufnahme mit einen 400mm Teleobjektiv hilft als Übersicht für die Suche

Im 10“ Dobson Teleskop war Frosty Leo ebenfalls zu sehen. Nach dem Aufsuchen mittels Starhopping, für das man eine gute Sternkarte benötigt, kann man den nebeligen Charakter von Frosty Leo mit hoher Vergrößerung wahrnehmen. Im 16 Zöller soll man sogar die bipolare Struktur erkennen. Kontrastfilter , wie ein OIII oder ein UHC-Filter bringen keinen Vorteil. Wie schon geschrieben, ist der Nebel um den Zentralstern ein Reflexions-Nebel.

Es ist insgesamt ein eher subtiles Objekt. Seit der Entdeckung sind aber 165 wissenschaftliche Arbeiten (Stand 2026) im Zusammenhang mit Frosty Leo veröffentlicht worden.

Ein Geheimtipp , der in den Lonely Objekt-Führer des Universums gehört, ist der Frosty Leo also nicht.

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Tur Tur und die zweite Kuh…

Am 30. Januar 2026 entdeckte der japanische Astronom Masaki Tsuboi einen neuen Stern in der Nähe der Galaxie NGC 2398. Die Galaxie ist eher gewöhnlich , besitzt eine Helligkeit von 14,4 mag und befindet sich im Sternbild Zwillinge. Der neue Stern aber , eine Supernova, zeigte einen sehr schnellen Helligkeitsanstieg und war schon bald heller als 16 mag. Die Untersuchung des Spektrums brachte eine Rotverschiebung von z=0.029724 zu Tage . Die Zugehörigkeit zur Galaxie NGC 2398 mit einer Rotverschiebung von z=0.029517 war schon sehr naheliegend. Allerdings befindet sich die neue Supernova fast 2 Bogenminuten vom Zentrum der Galaxie entfernt. Die Galaxie ist etwa 400 Millionen Lichtjahre entfernt. Somit würde die Supernova ebenfalls 230.000 Lichtjahre entfernt vom Zentrum der Galaxie zu finden sein. NGC 2398 wäre schon sehr groß.

Aufnahme von NGC 2398 mit AT2026cex im Februar 2026 .

Die sonderbaren Eigenschaften der Supernova, der schnelle Helligkeitsanstieg und die detektierte große Leuchtkraft waren Anlass der Astronomen , den neuen Stern als ein LFBOT zu klassifizieren. Wer nun nichts mit diesen Kürzeln anzufangen weiß, der ist wohl in guter Gesellschaft. LFBOT steht für Luminous fast blue optical transient. Ins deutsche Übersetzt hat das die Bedeutung: heller, schneller, blauer Vorübergehender. Die Klasse der LFBOT-Erscheinungen ist noch recht jung. Sie beschreibt eben außergewöhnlich helle Supernovae, die einen ziemlich schnellen Anstieg der Helligkeit haben, dann aber auch rasch wieder abklingen. Bisher hat man nur wenige dieser Ereignisse beobachten können. Sie sind sehr rar. Die Supernova in NGC 2398, auch AT 2026cex genannt, wäre erst die zehnte Supernova dieser Art. Das Interesse daran ist entsprechend groß, zumal die genauen Umstände für diese Art von Energieausbruch noch nicht geklärt sind.

Die erste Supernova dieser Art wurde im Jahr 2018 in der Galaxie CGCG 137-068 entdeckt, einer lichtschwachen Galaxie im Sternbild Herkules. Die Explosion eines Sterns in der 200 Mio. Lichtjahre fernen Galaxie war 100mal heller als übliche Supernovae. Auch war ihr Erscheinen und Abklingen sehr rasch. Der zufällige Name der Supernova, der auf die Nomenklatur von Supernova-Entdeckungen zurückzuführen ist, ist AT2018cow. Schnell bekam sie den Spitznamen „die Kuh“. Die Kuh war also ein seltenes astronomisches Ereignis, das einen intensiven Energieausbruch erzeugt, 100 mal mehr als ein „normaler“ Sternenkollaps. AT2018cow wurde deswegen aufmerksam beobachtet. Es wurden einige Vorschläge erarbeitet, die diesen extremen Energieausbruch erklären könnten. In einigen dieser Szenarien wird ein Stern zügig von einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch gefressen. Auch ein Weißer Zwerg können Opfer eines Masse-Giganten geworden sein . Denkbar wären auch Wirkungen relativistischer Jets eines Neutronensterns auf die zirkumpolare Scheibe eines anderen Sterns.

Sicher ist nur, dass ein kleiner Raumbereich betroffen ist, also dass das Objekt, das die Supernova ausgelöst hat, sehr klein ist. Ein schneller Lichtwechsel von AT2018cow von 4,4 Millisekunden lassen auf eine maximale Größe von ca. 1300 km Durchmesser schließen. Vermutlich ist es ein Neutronenstern, vielleicht ein Schwarzes Loch.

Die Astronomen erhoffen sich, dass die vielen Himmelsdurchmusterungen, wie PANSTARRS,ZTF und co , weitere LFBOTs entdecken werden, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Und AT 2026cex wurde zunächst als ein solches seltenes Ereignis identifiziert.

Kommen wir aber nun von der Kuh zu Tur Tur. In der Augsburger Puppenkiste war Tur Tur ein Scheinriese , der aus großer Entfernung groß wirkte und näher kommend immer kleiner wurde. Neue Beobachtungen ergaben, dass AT2026cex mehr Scheinriese ist als eine neue Kuh.

Schaut man sich die Region um AT2026cex vor dem Ereignis an, dann findet man dort einen Stern der 20.Größenklasse. Für einen Stern in einer Distanz ist das viel zu hell. Zweites Argument gegen einen LFBOT wäre der Anstieg von nur 5 bis 6 Magnituden. Das wäre wiederum zu wenig.

Der Vergleich der Aufnahme vom 9.2.2026 mit einer alten Aufnahme aus den Sloan Digital Sky Survey. Der Stern ist nur schwach erkennbar.

Der Astrometriesatellit Gaia hatte den Stern vermessen und fand eine stellare Parallaxe von 3,030 Millibogensekunden, was einer Entfernung von ca. 1065 Lichtjahren entspricht. Es wäre noch die Möglichkeit zu diskutieren, dass der LBOT genau in der Sichtlinie zu diesem Stern liegt. Das wäre in ziemlicher Zufall, aber dennoch möglich. Aber Folgebeobachtungen brachten weitere Details ans Licht, die den Verdacht erhärteten, nur eine „einfache“ galaktische Nova beobachtet zu haben.

Der plötzliche Anstieg der Helligkeit um 5 bis 6 Größenklassen passt nämlich gut zu einer galaktischen Nova. Spätere Beobachtungen zeigen dann auch eine Helligkeitsschwankung mit einer Periode von etwa 80 Minuten, ein ebenso typisches Phänomen für eine Akkretionsscheibe eines binären Sternsystems.

Somit wurde das seltene LFBOT -Ereignis zu einer galaktischen Nova, die nicht ganz so selten sind. Von der Kuh zu Tur Tur …

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Das Polarlicht 19/20.Januar 2026

Roter Himmel über der Sternwarte

Sollte am Abend des 19. Januar, ganz zu Beginn des Jahres, das spektakulärste Himmelsschauspiel des Jahres stattfinden? Womöglich! Am Abend des 18. Januar gegen 18Uhr (UT) beobachtete das Sonnenobservatorium GOES einen starken Ausbruch auf der Sonne, der einen koronalen Massenauswurf zur Folge hatte. Die Experten sprachen von einem Long duration-Flare der Klasse X1.9 mit einem Full Halo-CME. Das bedeutet, dass eine Menge elektrisch geladener Teilchen mit hoher Geschwindigkeit auf dem Weg zur Erde waren. Die Warnung vor Polarlicht galt für die nächsten 24 bis 48 Stunden. Bereits am Nachmittag des 19. Januar kündigte sich der eintreffende Teilchenstrom am EPAM-Instrument des ACE-Satelliten an. Das EPAM detektierte eintreffende Protonen. Vor dem Impakt der Hauptteilchenwolke steigen die Protonenzahlen stark und rampenförmig an. Irgendwann trifft dann die Schockwelle des Sonnewinds auf den ACE-Satelliten und die Sonnenwindwerte steigen dann stark an. Mit 1600 km/s waren diese Teilchen sehr schnell unterwegs und trafen bereits in den frühen Abendstunden mit der Dämmerung bei uns ein. Im Polarlichtforum von Meteoros liefen schon seit Stunden heiße Diskussionen. Und so begab ich mich schon kurz vor dem Impakt an einen dunkeln Ort, der aus meiner Sicht geeignet war. Das Schwarze Venn zwischen Heiden und Reken versprach eine gut Stelle für die Polarlichtbeobachtung zu sein. Der Ort ist einigermaßen dunkel und nach Norden gab es keine nahe Stadt. Allenfalls die Autobahn musste man etwas aus dem Bild verbannen. Der Himmel war dank eines Hochdruckgebiets übrigens klar und der Mond sollte den Himmel auch nicht aufhellen. Dort angekommen , stellte ich die Kamera auf und machte einige Bilder zur Kontrolle. Ich musste aber feststellen,dass ich weder ein Ersatzakku , noch die Powerbank für die Objektivheizung dabei hatte- ein blöder Anfängerfehler. Aber was solls. Im Nachhinein war das auch nicht so schlimm. Auf den ersten Aufnahmen konnte ich tief im Norden einen roten Schimmer erkennen, direkt neben einer helleren Lichtquelle, die vielleicht von der Raststätte Hochmoor der Autobahn herkam.

Toll…Polarlicht genau neben einer Lichtquelle….

„Schon blöd“, dachte ich. Polarlicht genau neben einer anderen Lichtquelle. Aber es blieb ja nicht dabei. Mit jeder Minute wurde die rote Fläche größer und mit einem Male wurde das Polarlicht auch für das menschliche Auge sichtbar. Das sah schon toll aus. Es war aber wegen der Werte des Sonnenwinds schon zu erwarten. Was allerdings in den nächsten Stunden ab 21 Uhr bis 0:30 Uhr geschah, das hatten nur wenige so erwartet. Das Polarlicht am 19. Januar übertraf an Intensität das Polarlicht vom 11.Mai 2024 . Helle Polarlichtbänder im Zenit waren zu sehen. Polarlicht im Sternbild Orion. Der Himmel glühte im Norden durchweg grün. Rote Beamer erschienen und verblassten. War ich wirklich in Reken ? Der Himmel erinnerte an Island oder Norwegen.

Grünes Leuchten und rote Beamer

Die Kamera machte gottseidank eigenständig ihre Aufnahmen, so dass ich euphorisch die Polarlichter beobachten konnte. Es waren Minus 2 Grad , aber mir wurde nicht kalt. Ich bin irgendwie in den Rausch verfallen. Während der hellen Phase gegen 22:30 Uhr näherte sich mir tatsächlich ein Auto. Ein Polarlichtsuchender war noch unterwegs . Nach kurzem Gespräch wollte er los um seine Kamera zu holen, die noch in Heiden war. Es ist zwar schön Gleichgesinnte zu treffen, aber nur, wenn sie etwas defensiver mit ihren Autoscheinwerfern umgehen.

Auch an einsamen Orten ist man ja nicht allein. Über den Polarlichtchat der Meteoros-Gruppe und der Sternfreundegruppe spürte man die Begeisterung anderer Sternfreunde. An der Sternwarte waren auch einige Beobachter. So ist das in der digitalen Welt. Man steht im Austausch mit vielen Anderen. Gegen Mitternacht ließ die Aktivität dann nach . Sie war immer noch sehr hoch, aber weil der folgende Tag ein Dienstag war und der nicht arbeitsfrei war, brach ich gegen halb 1 ab. Meine Akkureserven waren auch pünktlich erschöpft. Die Objektive musst ich zwei,drei Mal mit der Autoheizung trocknen.

Grüner Bänder erschienen hoch im Zenit… Islandfeeling …

Der Dienstag war ein müder Tag. Die Aktivität des Sonnenwinds war aber noch hoch. Ich war hin und hergerissen. Sollte ich lieber schlafen gehen oder nochmal los? Ich packte alles zusammen und fuhr ins Schwarze Venn. An meinem Beobachtungsplatz stand ein Traktor, der hell beleuchtet arbeitete . Damit hatte ich nicht gerechnet. Es war ja schon 19:30 Uhr. Aber egal, ich fuhr einige hundert Meter weiter, bog in einen Feldweg ab und postierte mich völlig abgelegen an eine Wieseneinfahrt. Auf den ersten Aufnahmen konnte man das Polarlicht gut erkennen, dann auch wieder visuell. Es war weitaus schwächer als am Tag zuvor. Dennoch war es schön. Nach der ersten Welle wartete ich noch auf Weiteres . Aber es blieb dabei. Gegen 21 Uhr kamen noch zwei junge Männer mit dem Auto vorgefahren, stellten ihre Kameras auf. Sie wollten ebenfalls dem Spektakel beiwohnen. Laut ihrer App auf dem Handy sollte Polarlicht zu sehen sein. Ein Karte mit Sichtungen , die gerade oder nur wenige Minuten alt waren, sah man auf dem Display ihres Handys. Ich hatte schon seit einer halben Stunde nichts mehr gesehen. Auch das Polarlichtforum konnte keine Sichtungen melden. Das ist schon verwunderlich. Ich habe keine Ahnung, was die Leute da gesehen haben. Polarlicht wird es nicht gewesen sein. Ich packte meine Sachen jedenfalls zusammen, zumal der Himmel immer wolkiger wurde. In der Nacht zum Mittwoch gegen 0:30 Uhr ist anscheinend wohl noch mal Aktivität zu sehen gewesen. Bei uns war der Himmel aber bewölkt. Also hatte ich nichts verpasst.

Schöner, aber kurzer Ausbruch an anderer Lokation

Dieses besondere Polarlichtevent wurde von vielen Menschen gesehen und auch in den Medien geteilt. Viele Menschen werden begeistert gewesen sein und einige von ihnen werden auch zukünftigen Polarlichtern hinterher jagen. Diese großen Ereignisse sind hier aber sehr selten. Die hellsten Polarlichter , die ich gesehen habe, waren das Halloween-Polarlicht im Jahr 2003 am 30/31.10 2003, das Polarlicht im Mai 2024 und dann jenes Polarlicht am 19. Januar 2026. Viele kleine Polarlichtbeobachtungen, die meisten davon nur photographisch, waren zu beobachten. Oft waren diese sehr hübsch anzusehen. Die großen Ereignisse verschlagen einem aber einfach die Sprache.

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Jupiter verdeckt Mond Ganymed

Am 24. Januar 2026 war Günther Strauch an der Sternwarte und hatte eine Sequenz von Jupiter aufgenommen, in welcher sein Mond Ganymed aus Sicht der Erde verdeckt wurde und gleichzeitig der Große Rote Fleck zum Vorschein trat.

Auch wenn die Sichtbedingungen eine Herausforderung waren, entschloss Günther Strauch seine Beobachtung zu wagen und herausgekommen ist folgende Animation:

Jupiter verdeckt Ganymed (24.01.2026)

Die Sequenz wurde in der Zeit von 22:23 Uhr bis 0:24 Uhr MEZ aufgenommen.

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Der interstellare Besucher 3I/ATLAS

Komet 3I ATLAS im 8″ Newton

500 Jahre Aufklärung und dann sowas… eigentlich haben Kometen den Schrecken verloren, den sie bis in die Neuzeit auslösten. Die Zuchtruten Gottes, die Ungemach über Land und Volk brachten, wurden zu harmlosen himmlischen Phänomenen , die den Gesetzen der Himmelsmechanik gehorchten. Spätestens seit der Wiederentdeckung des Halley’schen Kometen im Jahr 1759 war klar, dass Kometen auf Keplerbahnen unterwegs sind. Zwar ist ihr Auftauchen immer noch eine Überraschung und auch heute kann man die hellen Kometen der Zukunft nicht vorhersagen. Doch ihr Verhalten und ihre Erscheinung sind nicht rätselhaft oder mysteriös. Trotz aller Aufklärung gibt es aber immer noch Irrläufer. Der Halley’sche Komet versetzte die Bevölkerung im Jahr 1910 in Angst und Schrecken wegen der Entdeckung von Blausäure-Molekülen im Schweif. Man befürchtete eine kollektive Vergiftung der Erdbewohner, weil die Erde den Kometenschweif durchkreuzen würde. Diese Art der Furcht ist natürlich anders begründet als die Gottesstrafen des Mittelalters, eben eine moderne Version. Auch 1997, als der helle Komet Hale-Bopp am Himmel erschien, waren einige esoterisch angehauchte Menschen davon überzeugt, dass es sich um ein außerirdisches Raumschiff handeln würde. Die Götter der Vorfahren wurde offenbar durch andere Himmelswesen ersetzt. Im März 1997 starben 39 Mitglieder der „Heavens Gate“-Sekte durch gemeinschaftlichen Selbstmord, weil sie die Erde verlassen und sich dem Kometen Hale Bopp anschließen wollten. Eine traurige Geschichte um den Kometen, der vielen Menschen damals eine Freude bereitete.

Die meisten Kometen ziehen durch das innere Sonnensystem, ohne dass die Öffentlichkeit Notiz davon nimmt. Sie sind einfach zu leuchtschwach, als dass man sie mit dem bloßen Auge oder mit dem Fernglas sehen könnte. Innerhalb der lichtverschmutzten Ort wird es noch schwieriger einen Kometen zu beobachten. So bleiben viele Kometen den Amateurastronomen vorbehalten, die mittels Teleskopen und speziellen Kameras auch Kometen ablichten können, die das Auge nicht mehr wahrnehmen kann.

Und um eine solchen Komet geht es hier. Der Komet heißt 3I/ATLAS. Er wurde am 1.Juli 2025 vom ATLAS-Beobachtungsprogramm des El-Sauce-Observatorium in Chile entdeckt. Das ATLAS-Programm ist speziell auf die Suche nach Asteroiden und Kometen ausgelegt. So genommen, ist die Entdeckung eine Routine. Die aktuelle Kometenliste (Stand Dezember 2025) zeigt nahezu 100 Kometen, die durch ATLAS entdeckt wurden. Somit ist 3I /ATLAS nicht ungewöhnlich.

Die ersten Berechnungen der Kometenbahn änderten die Situation dann doch. Die Bahn des Kometen war sehr stark hyperbolisch und der Komet ist sehr schnell unterwegs mit fast 60 km/s. Mit diesen Eigenschaften kommt er wohl aus den Tiefen des interstellaren Raums und ist nur auf der Durchreise durch unser Sonnensystem. 3I/ATLAS ist das dritte Objekt seiner Art, das bekannt ist. Nach der Durchreise von 1I/Oumuamua und dem Komet 2I/Borisov, haben wir es mit dem ATLAS-Objekt wieder mit einem interstellaren Wanderer zu tun. Der Himmelskörper Oumuamua wurde sehr spät erst entdeckt und er zeigte keine kometarische Aktivität. Man würde ihn heute als Asteroiden klassifizieren. Die Beobachtungen deuteten auf einen länglichen Körper hin, der langsam rotierte. Wissenschaftlich ist Oumuamua bestimmt interessant und viele seiner Eigenschaften blieben wegen der Kürze der Beobachtungszeit im Dunkeln. Die Wissenslücken wurden dann in den Medien schnell zu Rätseln und die Rätsel zu Anomalien. Hinzu kam die Aussage eines Harvard-Professors, es könnte sich auch um Technologie einer außerirdischen Existenz handeln und schon war eine wunderschöne Verschwörungstheorie geboren. Was Oumuamua auch immer war, wir werden es nicht erfahren. Der Himmelskörper ist außerhalb unserer Reichweite. Der zweite Komet 2I/Borisov blieb von Verschwörungstheorien verschont. Er war offenbar eindeutig ein Komet. Seine hyperbolische Bahn legt die Vermutung nahe, dass er ebenfalls aus dem interstellaren Raum zu uns kam. Er könnte allerdings auch ein Objekt der Oort’schen Wolke sein, die sich über ein Lichtjahr von der Sonne in den Weltraum erstreckt. Viele langperiodische Kometen finden ihre Ursprungsheimat in dieser Wolke, die Hendrik van Oort in den 1950er Jahren vorhersagte.

Nun also kam der dritte Besucher aus dem interstellaren Raum zu uns. Der Name 3I /ATLAS sagt es schon. Der Name wurde dem Kometen allerdings erst nach der Entdeckung seiner interstellaren Herkunft gegeben. Um es vorwegzunehmen, der Komet verhält sich bisher wie ein typischer Komet. Er ist nicht mal sehr auffällig. Und dennoch ist er wieder als Artefakt außerirdischer Intelligenz im Gespräch. Der besagte Harvard-Professor fand zahlreiche Anomalien im Verhalten des Kometen, die darauf hindeuten, dass der Komet nicht nur natürlicher Art ist. Die Bahn des Kometen ist seltsam, der Komet erfährt eine merkwürdige Beschleunigung, die Geometrie des Schweifs ist ungewöhnlich, der Komet rotiert merkwürdig, um einige Behauptungen zu erwähnen. Zusammengefasst könnte man glauben, dass der Komet nicht normal ist. Nüchtern betrachtet gibt es den normalen Kometen aber auch nicht. Es gibt ja auch nicht den normalen Planeten oder den normalen Stein. Jedes Objekt im Universum hat Eigenschaften, die es von einem anderen Objekt unterscheidet. Zumindest im makroskopischen Bereich. Und gerade bei Kometen sind viele Eigenschaften ohne Zutaten außerirdischer Intelligenzen gut zu erklären.

Außerirdische Intelligenz und Leben außerhalb des Sonnensystems ist durchaus denkbar, vielleicht sogar wahrscheinlich. Aber man kann davon ausgehen, das es in unserer Galaxie eher die Ausnahme ist. Die meisten bisher entdeckten Planeten bieten nicht die Bedingungen für Leben, wie wir es uns vorstellen. Außerirdische, die erfolgreich im interstellaren Raum herumreisen, sind wohlmöglich sehr, sehr selten. Im Gegenzug dazu ist anzunehmen, dass es viele Sterne in der Milchstraße gibt, die Eis- und Gesteinswolken , Asteroiden und Kometen in ihrer Umgebung besitzen. Interstellare Oort-Wolken sind keine Seltenheit in der Milchstraße. So ist es auch viel wahrscheinlicher, dass uns ein interstellarer Komet besucht als dass ein Relikt außerirdischer Technologie unsere Bahn kreuzt. Letzteres wäre natürlich spannender und die Berichte, die gerade in den Online-Medien zu finden sind, verdienen mit Sensationsnachrichten ihre Klickzahlen.

Soviel Aufmerksamkeit wie in den paar Monaten seiner Sichtbarkeit, wird er in den letzten Milliarden Jahren nicht bekommen haben. Seine Reise durch das Sonnensystem dauert nur wenige Jahre . In 40 Jahren wird er dank der großen Reisegeschwindigkeit die Heliopause erreicht haben und sich dem Einfluss der Sonne mehr und mehr entziehen. Er kam aus der Richtung des Milchstraßenzentrums , dem Sternbild Schütze und reist weiter in Richtung des Sternbilds Zwillinge. Dort wird sich seine Spur verlieren auf Nimmerwiedersehen.

Der grüne Komet C/2025 R2 SWAN- typischer Einheimischer

In den letzten Jahren wurden viele Programme zur Durchmusterung des Himmels ins Leben gerufen. ATLAS ist nur eines davon. Diese Programme entdecken sehr viele Kleinkörper, die im Sonnensystem unterwegs sind. Die meisten davon gehören sein viereinhalb Milliarden Jahren dazu. In Zukunft werden vermutlich aber auch immer mehr interstellare Besucher entdeckt werden, die auf der Durchreise sind. Im Fall von 3I/ATLAS kann man sagen, dass sich der Komet gar nicht stark von den „eigenen“ Kometen unterscheidet. Er hat einen größeren Anteil an Kohlendioxid, vielleicht weniger Wasser . Aber ansonsten ist er unauffällig. Sogar die grünliche Färbung durch Di-Kohlenstoff kann man beobachten.

Im Dezember 2025 und Januar 2026 kann man den Kometen auf dem Weg in Richtung der Zwillinge noch verfolgen. Er wird allerdings an Helligkeit verlieren. Ende Januar wird der wahrscheinlich die 15. Größenklasse erreichen.

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Der zerbrochene Komet C/2025K1 (ATLAS)

Der Komet C2025K1 (ATLAS) am 15.12.2025 (8″Newton/f3,9 ,ZWO ASI 294mm)

Im Mai 2025 entdeckte das ATLAS -System, das in Chile automatisch nach Asteroiden sucht, den Kometen C/2025K1 (ATLAS). Nachfolgende Berechnungen der Kometenbahn ergaben für den Besucher aus der fernen Oort’schen Wolke eine Annäherung an die Sonne auf 0,34 AU, also etwas mehr als 50 Millionen Kilometer. Die Annäherung ist durchaus kritisch für einen Kometen . Viele Kometen überstehen den Flug um die Sonne nicht, wenn sie derart nah passieren müssen. So waren die Astronomen schon gespannt, ob der Komet im Oktober 2025 seine Perihelpassage überstehen wird. Am 19. Oktober fotografierten die passionierten Kometenjäger G. Rhemann und T. Jäger den Kometen und konnten den Sternfreunde die gute Nachricht überbringen, dass im Herbst 2025 ein weiterer interessanter Komet am Himmel zu sehen sein wird. Man kann die Aufnahmen und viele weitere Kometenaufnahmen auf der Internetseite der Fachgruppe Kometen ( https://fg-kometen.vdsastro.de/) bewundern. Im November überraschte der Komet dann doch. Auf den Aufnahmen konnte man 3 Fragmente innerhalb der hellen Koma sehen.

Der Komet war offenbar zerbrochen. Ein wirkliche Sensation ist das aber nicht. Kometen sind sehr fragile Objekte, regelrechte Schutthaufen aus Staub und Eis. Die Strahlung in Sonnennähe lässt das Eis verdampfen und Staub wird freigesetzt. Dieser Prozess kann zum Zerbrechen des Kometen führen. Für die Hobbyastronomen ist das eine sehr schöne Gelegenheit, die Entwicklung zu dokumentieren. Großteleskope werden weniger dafür eingesetzt. Weltweit dokumentieren tausende von Amateurastronomen die Entwicklung des Kometen . Zu Beginn konnte man die Fragmente, die typischerweise alphabetisch Fragment a,b und c genannt wurden , beobachten. Ende November wurden die Kometenbeobachter Zeuge von der Auflösung des Fragments B. Die Fragmente A und C zeigten sich bis heute (15.12.) in einem Abstand von 14 Bogensekunden von einander entfernt. Damit sind die beiden Fragmente etwa 8000 km voneinander entfernt. Am 11.12. lagen sie noch 7100 km voneinander entfernt. Sie trennen sich also mit weniger als 10km/h voneinander. Allerdings ist das die projizierte Bewegung, da für die Messung die radiale Komponente fehlt.

Der Komet hatte am 24. November seinen erdnächsten Punkt der Bahn erreicht und ist entsprechend schnell am Himmel unterwegs. Bei Brennweite über 500 mm waren Belichtungszeiten von weniger als 60 Sekunden nötig, um den Kometen einigermaßen scharf abzubilden. Seinen erdnächsten Punkt war immerhin 60 Mio.Kilometer entfernt. Zu dieser Zeit erreichte er die 8.Größenklasse und konnte visuell im Teleskop leicht wahr genommen werden. Im Dezember sank seine Helligkeit auf > 12 mag und es wurde immer schwieriger, den Kometen visuell zu entdecken. Die Kameras und die lichtstarken Teleskope der Amateurastronomen werden den Kometen aber noch eine Weile verfolgen können.

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Die Polarring-Galaxie NGC 660

Das Universum ist jung und es passiert noch so viel. Wir bemerken nicht so viel davon, weil unsere Milchstraße ein eher ruhiger Ort ist, zumindest während unserer Zeit. Möglicherweise ist das eine Bedingung für die Entstehung höher entwickelten Lebens. Die Astronomen beobachten Galaxien, in denen es ganz anders aussieht. Galaxien mit extremer Sternentstehung zum Beispiel. Es gibt einige dieser Starburst-Galaxien, wie sie unter Astronomen genannt werden. Die Amateur-astronomen schauen da gerne auf die Galaxie Messier 82 im Großen Bären, deren Erscheinungsbild einer explodierenden Zigarre ähnelt. Warum eine Galaxie zur Starburst-Galaxie wird , das kann viele Ursachen haben. Mit der kleinen Galaxie NGC 660, bei der es hier um diesen kleinen Aufsatz gehen soll, haben wir es mit einer Starburst-Galaxie zu tun, die noch ein weiteres Merkmal aufweist. Sie ist eine der seltenen Polarring-Galaxien.

Polarring-Galaxien sind etwas ganz besonderes. Die Astronomen nehmen an, dass diese Galaxien das Ergebnis vom Zusammenstoß zweier Galaxien sind, die sich im Winkel von 90 Grad durchwandern . Die Masse der kleineren Galaxie konzentriert mit ihrer Anziehungskraft die Sterne der größeren Galaxie nach innen und hinterlässt einen sternenarmen Raum. Die äußeren Spiralarme können als Ring erhalten bleiben, weil sie die Gravitation der kleineren Galaxie nicht spüren. Nach dem Durchdringen kann sich die kleine Galaxie in vielen Fällen wieder entfernen. Die ursprüngliche Spiralgalaxie ist aber durch diesen Eingriff in ihrer Struktur gestört und tritt als Polarring-Galaxie in Erscheinung. Die Wagenradgalaxie im Sternbild Bildhauer ist ein Musterbeispiel einer Polarring-Galaxie. Leider ist sie wegen ihrer geringen Deklination in Mitteleuropa nicht zu beobachten. Aber wir wollen uns NGC 660 anschauen, die im Sternbild der Fische ein gutes Ziel für den mitteleuropäischen Beobachter ist. NGC 660 ist vermutlich durch einen Verschmelzungsprozess zweier Galaxien zur Polarring-Galaxie geworden. Der Ring der Galaxie und das kompakte Zentrum sind um etwa 60 Grad gegeneinander geneigt. Zudem zeigt der Ring noch eine sichtbare Verbiegung, die auf den gravitativen Einfluss der nördlicher liegenden Galaxie IC 148 zurückzuführen sein könnte. Der Zusammenstoß der beiden Galaxien ist nach Simulationsmodellen etwa eine Milliarde Jahre her. Das passt gut mit den beobachteten Sternpopulationen im zentralen Bereich der Galaxie zusammen. Dort befinden sich zahlreiche ältere und mittelalte Sterne, die ein gelbliches Licht aussenden. Im Ring um den kompakten Kern befinden sich viele blaue Sterne, die noch recht jung sind. Dort gibt es aktive Sternenentstehung. Auch der zentrale Bereich der Galaxie zeigt hohe Aktivität. Der Gasanteil der Galaxie NGC 660 ist ungewöhnlich hoch. Die Verschmelzungsprozesse führen zur Sternenentstehung . Dabei entstehen auch massereiche Sterne, die nur eine kurze Brenndauer haben und in Supernovae vergehen. Solche Supernovae regen durch ausgesendete Schockwellen weitere Sternentstehung an. Es entsteht eine Art Kettenreaktion, deren Aktivität die Starburst-Galaxien auszeichnet. Im Jahr 2012 entdeckten Radioastronomen eine helle Quelle nahe des Zentrums der Galaxie NGC 660. Wegen der raschen Veränderlichkeit sollte die Quelle nicht größer als 32 Lichtjahre groß sein. Es könnte ein kompakter Sternhaufen sein, der noch sehr jung ist. Tief im Staub der Galaxie versteckt , kommt nur die Radiostrahlung zur Erde durch. Das ist typisch für Starburst- Galaxien und macht sie für die Forschung interessant. In den meisten Galaxien findet man in den Zentren nur noch alte , rote Sterne, was man am Erscheinungsbild gut nachvollziehen kann.

NGC 660 ist sicherlich ein spannendes Labor für die Astrophysik. Die schnelle Bewegung der Sterne des äußeren Rings lassen auf das Vorhandensein von Dunkler Materie schließen.

Immerhin finden sich ca. 580 Referenzen in der ADS-Datenbank. Die Galaxie ist gerade mal 45 Millionen Lichtjahre entfernt und man kann mit guten Teleskopen noch feinere Details auflösen. Sie ist mit 100.000 Lichtjahren im Durchmesser etwa so groß wie die Milchstraße . Selbst Amateurteleskope liefern ansehnliche Bilder. Visuell ist sie nicht so leicht zu erkennen. Sie hat nur eine Flächenhelligkeit von 14 mag. Die visuelle Helligkeit ist mit 10.7mag angegeben. Sie wurde von Wilhelm Herschel im Oktober 1784 entdeckt. Die Galaxie liegt 2,7 Grad südlich von Messier 74, einer großen Spiralgalaxie im Sternbild Fische.

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Kometen im Oktober 2025

Josef Bresser Sternwarte

Zwei Kometen zeigten sich im Oktober 2025 am abendlichen Sternenhimmel. Leider aber meistens hinter einer geschlossenen Wolkendecke. So musste man förmlich nach Wolkenlücken suchen, um die beiden Kometen zu Gesicht zu bekommen. Am leichtesten zu finden war der Komet C/2025 A6 Lemmon, der vom Kleinen Löwen in Richtung Bootes und dem Schlangenträger wanderte. Der Komet bildete eine wunderschönen Schweif aus und war in der dritten Oktoberwoche im Fernglas gut auszumachen. Ein zweiter Komet, der Komet C/2025 R2 SWAN, wandertet tiefer am Horizont von der Waage , Schlangenträger in Richtung Wassermann. Im Fernglas zeigte er sich als nebeliger Fleck. Das Foto entlarvte ihn als grünen Komet, dessen Farbe auf Di- Kohlenstoff zurückzuführen, ein sehr reaktives Gas.

Der Komet C/2025 A6 Lemmon zeigte ebenfalls eine deutlich grüne Koma, aber ebenso einen ausgeprägten Staubschweif. Dieser war beim Komet SWAN nicht zu erkennen. C/2025 R2 SWAN wurde Anfang September 2025 auf den Aufnahmen des SWAN-Instruments der SOHO-Mission entdeckt, die für die Beobachtung der Sonne im Weltraum stationiert ist. Am 27.Oktober entfernte sich C/2025 R2 SWAN bereits wieder in die Tiefe des interplanetarischen Raums und hatte eine Distanz von 47,8 Mill. Kilometer zur Erde, also 0,32 Astronomische Einheiten. Das ist sogar verhältnismäßig nah. Deswegen kann man ihn bereits mit Ferngläsern als schwachen Nebel finden. Komet C/2025 A6 Lemmon war zu dieser Zeit 103 Millionen Kilometer entfernt . Seine Entfernung zur Sonne lag bei ca. 90 Mio km. SWANs Entfernung war da schon bei 165 Mio. Kilometer . Die Erscheinung von Kometen sind immer Wundertüten. Die Bahn am Himmel und die Aktivität des Kometen sind maßgeblich für das Erscheinungsbild am Himmel verantwortlich. Im Oktober 2025 wird das wieder durch zwei Kometen, die man zeitgleich beobachten konnte , deutlich.

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Mondfinsternis im Abendprogramm

Die Sternfreunde beobachten die Mondfinsternis am 7. September 2025 .

Dunkel wars , der Mond schien helle… nein. So war es nicht- im Gegenteil: Hell war es noch draußen und vom Mond war nichts zu sehen. Dennoch trafen sich Sternfreunde und Interessierte an der Sternwarte um die Mondfinsternis am 7.9.2025 zu beobachten. Es war zwar kein offizieller Termin, aber es fanden trotzdem viele Besucher an diesem Sonntag den Weg nach Hoxfeld.

Nicht nur die Sternwarte wurde genutzt. Viele Sternbegeisterte stellten sich mit ihren Geräten auf die Zufahrtstraßen und schauten gebannt in Richtung Borken.

Man konnte dem Ereignis auch kaum ausweichen. Den ganzen Tag über wurde das Spektakel im Radio angekündigt. Wer das überhört hatte, der wurde über die Online-Nachrichtenkanäle an das Ereignis erinnert. Um 20: 05 Uhr sollte der Mond bereits verfinstert im Osten aufgehen. Die Sonne war gerade gegenüber untergegangen und die Dämmerung war somit voll im Gange. Gebannt schauten die Sternfreunde in den blauen Himmel über Borken. Kleine Teleskope, Kameras auf Stativen, Ferngläser wurden ausgepackt und auf die vermeintliche Position des Mondes ausgerichtet.

Gespannt warteten Sternfreunde und Gäste an der Sternwarte in der Abenddämmerung

Nicht nur die Sternfreunde hatten ihre Ausrüstung dabei. Man beobachtete so manchen Besucher, der die Szenerie mit eigenen Mitteln aufnehmen wollte. Manche recht professionell, andere mit dem Händy, das ja mittlerweile wie ein Schweizer Taschenmesser viele Aufgaben erfüllen kann. Aber den Mond herbeizaubern konnte es noch nicht. Im Osten sah man ein dichtes Wolkenband. Auch hier gab das smarte Helferlein Auskunft. Langsam zog nämlich ein Wolkenband in westlicher Richtung. Sehr schade, weil es ansonsten mehr oder weniger klar war. So aber gucken viele Besucher im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre und sahen wenig.

Ein Wolkenband ziert den ansonsten klaren Himmel und versteckte den Mond.

Gegen 20:45 Uhr dann der befreiende Ruf. Der Mond wurde gesichtet. Schwach und blass schimmerte er durch die Wolken und wirkte recht dunkel. Die rötliche Farbe war nicht leicht zu erkennen. Auf den Bildern zeigte sich der Eindruck vom roten Mond deutlicher. Die Besucher und Sternfreunde atmeten auf und erfreuten sich am Anblick. Mit zunehmender Dunkelheit war der Mond dann immer besser zu sehen. Man muss eben Geduld haben. Um 20:55 Uhr war es mit der Totalität vorbei. Erst zeigte sich die östliche Seite des Mondes aufgehellt und schon eine Stunde später war der Mond wieder fast ganz zu sehen. In voller Helligkeit erstrahlte er freilich noch nicht, er befand sich im Halbschatten der Erde. Viele Besucher harrten bis zum Ende der des Austritts des Kernschattens aus. Der Austritt aus dem Halbschatten verfolgte wohl niemand mehr. Vielleicht war es nicht die beeindruckendste Mondfinsternis in der Geschichte der Astronomie. Spaß hat es trotzdem gemacht. Die Gespräche mit den Besuchern, der schöne Anblick des abendlichen Himmels an diesem Spätsommerabend waren eine gute Alternative zum Sonntagstatort. Der kann ja in der Mediathek noch bewundert werden. Das Naturerlebnis Mondfinsternis ist einmalig , immer wieder.

Der Mond hatte dennoch seinen verfinsterten Auftritt , hier eine Aufnahme zu Beginn des Austritts aus dem Kernschatten.

Dunkel wars , der Mond schien helle…. Später passte es dann besser.

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Staub und ferne Galaxien

Die Milchstraße ist voller Staub. Das vermuteten die Putzkräfte unseres Planeten wahrscheinlich schon seit langem . Der Staub an sich ist aber dunkel und leuchtet nicht selbstständig. Deswegen ist er uns weitgehend verborgen. Wir sehen in als Reflexionsnebel in der Nähe heller Sterne oder tatsächlich als schwarze, sternloser Bereich im Band der Milchstraße. Die sogenannten Dunkelnebel sind schon lange bekannt, wurden aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erforscht. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts entdeckten Astronomen noch mehr Staub zwischen den Sternen. Bereits 1976 fand der amerikanische Astronom Allan Sandage den „Galaktischen Zirrus“ . Hierbei zeigt sich der staubige Hintergrund der Galaxie durch die Reflexion des Lichts der Milchstraße. In Fachkreisen wird der Galaktische Zirrus auch als Integrated Flux Nebula (INF) bezeichnet. Man kann sich sicher vorstellen, dass das Leuchten dieser allgegenwärtigen Staubwolken besonders schwach ist. In den 2010er Jahren erreichten die amateurastronomischen Gerätschaften die Leistungsfähigkeit , den Galaktischen Zirrus abzubilden. Sehr lange Belichtungszeiten sind erforderlich, aber die Ergebnisse verschlagen einem oft die Sprache. Der Staub ist nicht gleichmäßig in der Milchstraße verteilt. Es gibt Bereiche, die recht arm an Staub sind. Andere Bereich zeigen schöne Verdichtungen und wolkenartige Strukturen, die wie Gemälde aussehen.

Das Team von Astronomen um Leo Magnani, Leo Blitz und Laurie Mundy untersuchte diese Staub- oder Molekülwolken und katalogisierte sie dazu. Man findet ihre Arbeit als MDM-Objekte.

Ich bin per Zufall auf einem hellen Bereich des Galaktischen Zirrus gekommen, als ich die Himmelsdurchmusterung des DSS2 in Augenschein nahm. Im nördlichen Bereich des Sternbild Pegasus, an der Grenze zur Andromeda fand ich eine Struktur, die für mich wie ein flüchtender Vogel aussah. In einer Septembernacht , genauer am 19. September 2025, nahm ich meine ersten Bilder dieses Bereichs auf, der nördlich des Sterns SAO73272 und südlich der Nebelregion LBN 467 lag. LBN 467 ist übrigens ein Eintrag des Lynds Bright Nebula-Katalogs und damit bestimmt auch ein lohnenswertes Ziel. Insgesamt waren gute 6 Stunden Belichtungszeit erforderlich, um den galaktischen Staub sichtbar zu machen, obwohl er schon zu den helleren Wolken seiner Art gehört.

Ich musste ein wenig recherchieren bis ich herausfand, ob diese anonyme Region des Galaktischen Zirrus bisher benannt worden ist. Aber weil sie wirklich sehr auffällig und hell ist, war sie im MDM-Katalog unter dem Eintrag 56 bekannt. Auch im PGCC Katalog für Gasnebel fand sich einen Eintrag unter PGCC G102.72-25.98 . Die Region ist offensichtlich schon früheren Astronomen aufgefallen.

Also wenn man schon mal einen Himmelsbereich solange ablichtet, dass der Galaktische Zirrus in Erscheinung tritt, dann hat die Aufnahme eine gewisse Tiefe. Und die Tiefe kann man dann wörtlich nehmen , weil man auch tief ins Weltall schauen kann. Die Wolken werden nur 500 bis 1000 Lichtjahre entfernt sein. Genau Angaben wird man nicht machen können, weil es keine kompakten Objekte sind. Entfernungsangaben sind in diesem Fall nicht sinnvoll.

Aufnahme von MDM56 (Sternbild Andromeda) 8″Newton /ZWO Asi 294mm

Untersucht man die Aufnahme, stößt man auf unzählige Galaxien, die sich weit hinter der Milchstraße im Galaktischen Zirrus verstecken wollen. Zum Beispiel WISEA J232647.19 +330610.8 (4) . Diese kleine Galaxie ist 1600 Millionen Lichtjahre entfernt oder die Galaxie WISEA J232555.13+332842.2 (1) , die nur ca. 700 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Man findet diese Objekte in der NASA Extra Galactic Database (NED). Auch findet man Messdaten zu den Objekten, wobei die Rotverschiebung z für die Abschätzung der Entfernung relevant ist. Bei fernen Galaxien findet man keine Entfernungsangaben mehr. Oftmals wird nur z als Rotverschiebung angegeben. Die Entfernungen muss man dann selbst errechnen. Sie sind auch von den kosmischen Parametern abhängig. Gute Hilfe ist der NED Wrights Cosmology calculator, der entsprechende Berechnungen durchführt.

Etwas schwindelig werde ich als hart geprüfter Hobbyastronom, wenn es um Objekte jenseits von 2 Milliarden Lichtjahren Distanz geht. Die Entfernungen sind kosmologisch. Das ist einfach unvorstellbar. Obwohl die Distanz von einem Lichtjahr schon unvorstellbar ist. Wenn man oft in diesen Dimensionen arbeitet, gewöhnt man sich etwas an diese Zahlen. Eine wahre Vorstellung hat man nicht. Welche Strecke kann man sich überhaupt noch vorstellen ? Sind es 100, 1000 oder 10000km . Das ist wohl eine philosophische Frage. Der Mond ist jedenfalls nur 385000 km entfernt und das ist etwas mehr als eine Lichtsekunde.

Aber zurück zur Aufnahme von MDM 56 und der Beifang , der mit aufs Bild wollte. Insbesondere SDSS J232657.37+332312.5 (2) , eine Galaxie, die als hellste Galaxie eines Galaxienhaufens aufgeführt ist. Dies Galaxie zeigt eine Rotverschiebung z von 0,40578 . Das bedeutet, dass sie mit mehr als 98000 km/s vor uns flüchtet. Das sind auf jedenfall kosmologische Werte. Besagter NED Wright Cosmology Calculator wirft bei entsprechender Dateneingabe (Hubble-Parameter 72km/s pro MPC und flaches Universum) eine Distanz oder besser gesagt, eine Lichtlaufzeit von 5 Milliarden Lichtjahren heraus. Das Licht der Galaxie wurde ausgesendet, als die Sonne und das Sonnensysttem noch gar nicht da war. . Ich würde auf meiner Aufnahme ein gutes Dutzend Galaxien ausmachen, die zu dem Galaxienhaufen gehören. Übrigens wäre noch zu erwähnen, dass wir die Galaxien in dem Zustand sehen, wie er vor 5 Milliarden Jahren gewesen ist. Das gilt nicht nur für die äußere Erscheinung. Auch die räumliche Erscheinung ist zu berücksichtigen, was folgendes bedeutet. Das Universum war vor 5 Milliarden Jahren kleiner als heute und die Galaxien waren näher beisammen. Die Expansion treibt die Galaxien und Galaxienhaufen immer weiter auseinander. Auch der Galaxienhaufen um SDSS J232657.37+332312.5 war uns näher, nämlich 3,56 Milliarden Lichtjahre. Das ist immer noch unfassbar weit. Unser Bild der Galaxie zeigt sie , wie sie vor 3,56 Milliarden Jahren aussah. Aufgrund der Expansion des Weltalls sehen wir also sozusagen ein Jugendfoto des Galaxienhaufens. Der Blick in die Vergangenheit ist nicht so tief, wie es die jetzige Entfernung erwarten lassen würde.

Wer nun noch Freude hat und noch nicht tief genug in die Aufnahme abgetaucht ist, der kann sich noch in die Welt der Quasare begeben. Exemplarisch zu nennen wäre der Doppelquasar SDSS J232624.65+331600.2 (3), der vielleicht sogar eine Gravitationslinse darstellen könnte. Das bedeutet im Prinzip, dass es sich um einen Quasar handelt, dessen Licht durch eine große Masse zwischen dem Quasar und uns durch die Raumzeitverzerrung so verändert wird, dass wir zwei Lichtquellen sehen. Diese sind können, wie bei einer richtigen Linse, etwas heller erscheinen. Die Rotverschiebung der beiden Objekte ist fast gleich gemessen mit z=1,688. Dieser Wert würde eine Lichtlaufzeit von 9,5 Milliarden Jahren ergeben. Das Universum war zu dieser Zeit gute 4 Milliarden Jahre alt. Der Vorläuferstern unserer Sonne durchwanderte die Milchstraße vielleicht noch. Mit der Vorstellung dieser Dimensionen ist es zu entschuldigen, dass wir nur zwei schwache Pünktchen auf der Aufnahmen sehen.

Aber wir müssen an dieser Stelle vielleicht mal festhalten, dass das ferne Licht von einem kleinem Teleskop mit 20cm Öffnung und einer Amateur-üblichen Kamera aufgenommen wurde. Ich finde das immer noch sehr beeindruckend nach all der Zeit, die ich mich mit den Sternen beschäftige.