IRAS-Quellen sind bestimmt keine Premium-Ziele für die Hobby-Astronomie .
Im Jahr 1983 startete das IRAS-Teleskop als erstes Weltraumteleskop die Erkundung des Himmels nach Infrarotquellen. Das Teleskop war ein knappes Jahr in Betrieb bis das Kühlmittel zur Neige ging. Infrarotkameras müssen naturgemäß sehr weit herunter gekühlt werden. Das IRAS-Kamerasystem wurde auf unter 5 Kelvin abgekühlt. Auch das moderne James Webb-Teleskop, das im Infrarotlicht arbeitet, wird auf unter 7 Kelvin heruntergekühlt. Diese Eigenschaften können Hobbyastronomen noch nicht liefern. Deswegen bleibt der Infrarothimmel den Weltraumteleskopen vorbehalten, zumal die Erdatmosphäre einen Großteil des Infrarotlichts ausfiltert.
Das IRAS-Teleskop untersuchte über 300.000 Infrarotquellen. Insbesondere Sternentstehungsgebiete waren von besonderem Interesse, weil das Infrarotlicht den Staubmantel um Sternentstehungsgebiete durchdringen kann. Aber es gibt ja mehr am Infrarothimmel zu entdecken.

Die IRAS-Quelle IRAS 09371+121 wurde im Jahr 1986 gefunden. Im visuellen Bereich ist diese Quelle als Sternchen 11.Größe zu finden und selbst kleineren Amateurteleskopen zugänglich. Die Untersuchung des Objekts führte zu einem sehr ungewöhnlichen Objekt. Es wurde ein bipolarer Nebel gefunden, der einen Zentralstern der Spektralklasse K7 besitzt. Somit ähnelt er einem Planetarischen Nebel. Wir haben es allerdings wohl mit der Vorstufe eines solchen Nebels zu tun – einen protoplanetarischen Nebel. Der Zentralstern ist verlässt gerade die Hauptreihe und wandelt sich zum Roten Riesenstern, der sich seiner äußeren Gashülle entledigt und sich zum Planetarischen Nebel entwickelt. Ähnliches steht der Sonne in den nächsten 4 bis 5 Milliarden Jahren bevor. Der Stern selbst ist übrigens nicht sichtbar, weil sein Licht durch die Staubhülle stark geschwächt wird. Einzigartig ist dabei die Beobachtung, dass in seiner Umgebung Wassermoleküle gefunden wurden. Die sind aber nicht als Wasserdampf beobachtet worden, sondern als Eiskristalle , die an silikatischen Staub gebunden sind. Der sichtbare Nebel entsteht nicht durch Emission, sondern ist ein Reflexionsnebel, der das Licht des zentralen Sterns reflektiert. Die Entdeckung des Eises war für die Astronomen sehr überraschend. Deswegen wurde der kleine Nebel „Frosty Leo“ getauft. Das Objekt ist, wie der Name es schon verrät, im Sternbild Löwe zu finden.
Frosty Leo ist also ein sehr junger Nebel. Sein Alter wird auf 1000- 3000 Jahre geschätzt. Der innere Teil, der die bipolare Struktur ausmacht, wird mit einem Alter von 600 Jahren angegeben. Es bleibt aber zu erwähnen, dass der Nebel etwa 10000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Wir sprechen also vom Beobachtungsalter.
Frosty Leo gehört bestimmt nicht zu den spektakulären Anblicken im Teleskop. Die Beobachtung mit Amateurmitteln ist schon etwas herausfordernd . Der hellste Bereich ist nur 15 Bogensekunden groß. Astrofotos zeigen eine Größe von etwa 35 Bogensekunden. So viele Details wird man also nicht wahrnehmen können.
Ich hatte Frosty Leo mit einem 8“ Teleskop , einer ASI 294mm fotografiert. Es sind keine sehr langen Belichtungszeiten erforderlich, um den zweigeteilten Nebel mit den beiden Öhrchen (Astronomen nennen die Ohren Lobes) abzubilden.


Im 10“ Dobson Teleskop war Frosty Leo ebenfalls zu sehen. Nach dem Aufsuchen mittels Starhopping, für das man eine gute Sternkarte benötigt, kann man den nebeligen Charakter von Frosty Leo mit hoher Vergrößerung wahrnehmen. Im 16 Zöller soll man sogar die bipolare Struktur erkennen. Kontrastfilter , wie ein OIII oder ein UHC-Filter bringen keinen Vorteil. Wie schon geschrieben, ist der Nebel um den Zentralstern ein Reflexions-Nebel.
Es ist insgesamt ein eher subtiles Objekt. Seit der Entdeckung sind aber 165 wissenschaftliche Arbeiten (Stand 2026) im Zusammenhang mit Frosty Leo veröffentlicht worden.
Ein Geheimtipp , der in den Lonely Objekt-Führer des Universums gehört, ist der Frosty Leo also nicht.
