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Das Sternwartenprogramm März 2026: Mond und Plejaden

Der heute geläufige Gregorianische Kalender orientiert sich am Lauf der Erde um die Sonne. Er wurde 1582 eingeführt und löste den Julianischen Kalender ab, dessen Jahreslänge um 11 Minuten zu lang war. Angestoßen von der Katholischen Kirche, die eine genaue Vorhersage des Osterdatums forderten, arbeiteten die Astronomen des 14. und 15 Jahrhunderts an einer Reform des Kalenders.

Die Himmelsscheibe von Nebra ( aus dem 3D-Drucker )

Ein Kalender ist aber nicht nur wegen der kirchlichen Feiertage von Relevanz. Sesshafte Kulturen schufen Kalender um das Land erfolgreich zu bewirtschaften. In Europa findet man viele alte Observatorien, die der Himmelsbeobachtung dienten. Die im Jahr 1999 entdeckte Himmelsscheibe von Nebra lieferte einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen der Bronzezeit vor 4000 Jahren. Ihr Kalendersystem beruhte auf Mondbeobachtungen. Auf der Himmelsscheibe findet man neben der Darstellung des Mondes auch die Sterne des Sternhaufens der Plejaden. Das ist kein Zufall. Die Plejaden spielten für die Menschen der Bronzezeit eine besondere Rolle. Monatlich zog der Mond an ihnen vorbei. Er konnte sie sogar bedecken.

Der zunehmende Mond bei den Plejaden im Frühling

Zu Frühjahrsbeginn kann man die schmale Mondsichel bei den Plejaden beobachten. Im Herbst ist es dann der fast volle Mond. Der Mond und die Plejaden waren wichtiger Zeiger für das Fortschreiten des Jahres und somit für die Termine der Landbestellung. Am 23.März zieht der Mond wieder an den Plejadensterne vorbei und bedeckt einige Sterne sogar. Leider findet das in den Morgenstunden statt. Für die Menschen der Bronzezeit wäre der Mond bereits schon zu „voll“. Erst die Begegnung des Mondes mit den Plejaden im April hätte für sie den Frühling eingeläutet. Der Mondkalender der Bronzezeit geht heute etwas nach. Für uns beginnt der Frühling am 20.März um 15:45, wenn die Sonne den Frühlingspunkt am Himmel erreicht. Dieser ist im Sternbild der Fische zu finden. Die Sternfreunde zeigen den Mond und die Plejaden trotzdem gerne. Die Sternwarte öffnet ihre Türen am 6. März und am 19.März 2026 ab 20:30 Uhr . Am 28.März findet der deutschlandweite Tag der Astronomie statt. Die Sternfreunde werden abends ab 20 Uhr eine öffentliche Beobachtung an der Sternwarte anbieten.

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Berichte

Tur Tur und die zweite Kuh…

Am 30. Januar 2026 entdeckte der japanische Astronom Masaki Tsuboi einen neuen Stern in der Nähe der Galaxie NGC 2398. Die Galaxie ist eher gewöhnlich , besitzt eine Helligkeit von 14,4 mag und befindet sich im Sternbild Zwillinge. Der neue Stern aber , eine Supernova, zeigte einen sehr schnellen Helligkeitsanstieg und war schon bald heller als 16 mag. Die Untersuchung des Spektrums brachte eine Rotverschiebung von z=0.029724 zu Tage . Die Zugehörigkeit zur Galaxie NGC 2398 mit einer Rotverschiebung von z=0.029517 war schon sehr naheliegend. Allerdings befindet sich die neue Supernova fast 2 Bogenminuten vom Zentrum der Galaxie entfernt. Die Galaxie ist etwa 400 Millionen Lichtjahre entfernt. Somit würde die Supernova ebenfalls 230.000 Lichtjahre entfernt vom Zentrum der Galaxie zu finden sein. NGC 2398 wäre schon sehr groß.

Aufnahme von NGC 2398 mit AT2026cex im Februar 2026 .

Die sonderbaren Eigenschaften der Supernova, der schnelle Helligkeitsanstieg und die detektierte große Leuchtkraft waren Anlass der Astronomen , den neuen Stern als ein LFBOT zu klassifizieren. Wer nun nichts mit diesen Kürzeln anzufangen weiß, der ist wohl in guter Gesellschaft. LFBOT steht für Luminous fast blue optical transient. Ins deutsche Übersetzt hat das die Bedeutung: heller, schneller, blauer Vorübergehender. Die Klasse der LFBOT-Erscheinungen ist noch recht jung. Sie beschreibt eben außergewöhnlich helle Supernovae, die einen ziemlich schnellen Anstieg der Helligkeit haben, dann aber auch rasch wieder abklingen. Bisher hat man nur wenige dieser Ereignisse beobachten können. Sie sind sehr rar. Die Supernova in NGC 2398, auch AT 2026cex genannt, wäre erst die zehnte Supernova dieser Art. Das Interesse daran ist entsprechend groß, zumal die genauen Umstände für diese Art von Energieausbruch noch nicht geklärt sind.

Die erste Supernova dieser Art wurde im Jahr 2018 in der Galaxie CGCG 137-068 entdeckt, einer lichtschwachen Galaxie im Sternbild Herkules. Die Explosion eines Sterns in der 200 Mio. Lichtjahre fernen Galaxie war 100mal heller als übliche Supernovae. Auch war ihr Erscheinen und Abklingen sehr rasch. Der zufällige Name der Supernova, der auf die Nomenklatur von Supernova-Entdeckungen zurückzuführen ist, ist AT2018cow. Schnell bekam sie den Spitznamen „die Kuh“. Die Kuh war also ein seltenes astronomisches Ereignis, das einen intensiven Energieausbruch erzeugt, 100 mal mehr als ein „normaler“ Sternenkollaps. AT2018cow wurde deswegen aufmerksam beobachtet. Es wurden einige Vorschläge erarbeitet, die diesen extremen Energieausbruch erklären könnten. In einigen dieser Szenarien wird ein Stern zügig von einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch gefressen. Auch ein Weißer Zwerg können Opfer eines Masse-Giganten geworden sein . Denkbar wären auch Wirkungen relativistischer Jets eines Neutronensterns auf die zirkumpolare Scheibe eines anderen Sterns.

Sicher ist nur, dass ein kleiner Raumbereich betroffen ist, also dass das Objekt, das die Supernova ausgelöst hat, sehr klein ist. Ein schneller Lichtwechsel von AT2018cow von 4,4 Millisekunden lassen auf eine maximale Größe von ca. 1300 km Durchmesser schließen. Vermutlich ist es ein Neutronenstern, vielleicht ein Schwarzes Loch.

Die Astronomen erhoffen sich, dass die vielen Himmelsdurchmusterungen, wie PANSTARRS,ZTF und co , weitere LFBOTs entdecken werden, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Und AT 2026cex wurde zunächst als ein solches seltenes Ereignis identifiziert.

Kommen wir aber nun von der Kuh zu Tur Tur. In der Augsburger Puppenkiste war Tur Tur ein Scheinriese , der aus großer Entfernung groß wirkte und näher kommend immer kleiner wurde. Neue Beobachtungen ergaben, dass AT2026cex mehr Scheinriese ist als eine neue Kuh.

Schaut man sich die Region um AT2026cex vor dem Ereignis an, dann findet man dort einen Stern der 20.Größenklasse. Für einen Stern in einer Distanz ist das viel zu hell. Zweites Argument gegen einen LFBOT wäre der Anstieg von nur 5 bis 6 Magnituden. Das wäre wiederum zu wenig.

Der Vergleich der Aufnahme vom 9.2.2026 mit einer alten Aufnahme aus den Sloan Digital Sky Survey. Der Stern ist nur schwach erkennbar.

Der Astrometriesatellit Gaia hatte den Stern vermessen und fand eine stellare Parallaxe von 3,030 Millibogensekunden, was einer Entfernung von ca. 1065 Lichtjahren entspricht. Es wäre noch die Möglichkeit zu diskutieren, dass der LBOT genau in der Sichtlinie zu diesem Stern liegt. Das wäre in ziemlicher Zufall, aber dennoch möglich. Aber Folgebeobachtungen brachten weitere Details ans Licht, die den Verdacht erhärteten, nur eine „einfache“ galaktische Nova beobachtet zu haben.

Der plötzliche Anstieg der Helligkeit um 5 bis 6 Größenklassen passt nämlich gut zu einer galaktischen Nova. Spätere Beobachtungen zeigen dann auch eine Helligkeitsschwankung mit einer Periode von etwa 80 Minuten, ein ebenso typisches Phänomen für eine Akkretionsscheibe eines binären Sternsystems.

Somit wurde das seltene LFBOT -Ereignis zu einer galaktischen Nova, die nicht ganz so selten sind. Von der Kuh zu Tur Tur …