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Das Polarlicht 19/20.Januar 2026

Roter Himmel über der Sternwarte

Sollte am Abend des 19. Januar, ganz zu Beginn des Jahres, das spektakulärste Himmelsschauspiel des Jahres stattfinden? Womöglich! Am Abend des 18. Januar gegen 18Uhr (UT) beobachtete das Sonnenobservatorium GOES einen starken Ausbruch auf der Sonne, der einen koronalen Massenauswurf zur Folge hatte. Die Experten sprachen von einem Long duration-Flare der Klasse X1.9 mit einem Full Halo-CME. Das bedeutet, dass eine Menge elektrisch geladener Teilchen mit hoher Geschwindigkeit auf dem Weg zur Erde waren. Die Warnung vor Polarlicht galt für die nächsten 24 bis 48 Stunden. Bereits am Nachmittag des 19. Januar kündigte sich der eintreffende Teilchenstrom am EPAM-Instrument des ACE-Satelliten an. Das EPAM detektierte eintreffende Protonen. Vor dem Impakt der Hauptteilchenwolke steigen die Protonenzahlen stark und rampenförmig an. Irgendwann trifft dann die Schockwelle des Sonnewinds auf den ACE-Satelliten und die Sonnenwindwerte steigen dann stark an. Mit 1600 km/s waren diese Teilchen sehr schnell unterwegs und trafen bereits in den frühen Abendstunden mit der Dämmerung bei uns ein. Im Polarlichtforum von Meteoros liefen schon seit Stunden heiße Diskussionen. Und so begab ich mich schon kurz vor dem Impakt an einen dunkeln Ort, der aus meiner Sicht geeignet war. Das Schwarze Venn zwischen Heiden und Reken versprach eine gut Stelle für die Polarlichtbeobachtung zu sein. Der Ort ist einigermaßen dunkel und nach Norden gab es keine nahe Stadt. Allenfalls die Autobahn musste man etwas aus dem Bild verbannen. Der Himmel war dank eines Hochdruckgebiets übrigens klar und der Mond sollte den Himmel auch nicht aufhellen. Dort angekommen , stellte ich die Kamera auf und machte einige Bilder zur Kontrolle. Ich musste aber feststellen,dass ich weder ein Ersatzakku , noch die Powerbank für die Objektivheizung dabei hatte- ein blöder Anfängerfehler. Aber was solls. Im Nachhinein war das auch nicht so schlimm. Auf den ersten Aufnahmen konnte ich tief im Norden einen roten Schimmer erkennen, direkt neben einer helleren Lichtquelle, die vielleicht von der Raststätte Hochmoor der Autobahn herkam.

Toll…Polarlicht genau neben einer Lichtquelle….

„Schon blöd“, dachte ich. Polarlicht genau neben einer anderen Lichtquelle. Aber es blieb ja nicht dabei. Mit jeder Minute wurde die rote Fläche größer und mit einem Male wurde das Polarlicht auch für das menschliche Auge sichtbar. Das sah schon toll aus. Es war aber wegen der Werte des Sonnenwinds schon zu erwarten. Was allerdings in den nächsten Stunden ab 21 Uhr bis 0:30 Uhr geschah, das hatten nur wenige so erwartet. Das Polarlicht am 19. Januar übertraf an Intensität das Polarlicht vom 11.Mai 2024 . Helle Polarlichtbänder im Zenit waren zu sehen. Polarlicht im Sternbild Orion. Der Himmel glühte im Norden durchweg grün. Rote Beamer erschienen und verblassten. War ich wirklich in Reken ? Der Himmel erinnerte an Island oder Norwegen.

Grünes Leuchten und rote Beamer

Die Kamera machte gottseidank eigenständig ihre Aufnahmen, so dass ich euphorisch die Polarlichter beobachten konnte. Es waren Minus 2 Grad , aber mir wurde nicht kalt. Ich bin irgendwie in den Rausch verfallen. Während der hellen Phase gegen 22:30 Uhr näherte sich mir tatsächlich ein Auto. Ein Polarlichtsuchender war noch unterwegs . Nach kurzem Gespräch wollte er los um seine Kamera zu holen, die noch in Heiden war. Es ist zwar schön Gleichgesinnte zu treffen, aber nur, wenn sie etwas defensiver mit ihren Autoscheinwerfern umgehen.

Auch an einsamen Orten ist man ja nicht allein. Über den Polarlichtchat der Meteoros-Gruppe und der Sternfreundegruppe spürte man die Begeisterung anderer Sternfreunde. An der Sternwarte waren auch einige Beobachter. So ist das in der digitalen Welt. Man steht im Austausch mit vielen Anderen. Gegen Mitternacht ließ die Aktivität dann nach . Sie war immer noch sehr hoch, aber weil der folgende Tag ein Dienstag war und der nicht arbeitsfrei war, brach ich gegen halb 1 ab. Meine Akkureserven waren auch pünktlich erschöpft. Die Objektive musst ich zwei,drei Mal mit der Autoheizung trocknen.

Grüner Bänder erschienen hoch im Zenit… Islandfeeling …

Der Dienstag war ein müder Tag. Die Aktivität des Sonnenwinds war aber noch hoch. Ich war hin und hergerissen. Sollte ich lieber schlafen gehen oder nochmal los? Ich packte alles zusammen und fuhr ins Schwarze Venn. An meinem Beobachtungsplatz stand ein Traktor, der hell beleuchtet arbeitete . Damit hatte ich nicht gerechnet. Es war ja schon 19:30 Uhr. Aber egal, ich fuhr einige hundert Meter weiter, bog in einen Feldweg ab und postierte mich völlig abgelegen an eine Wieseneinfahrt. Auf den ersten Aufnahmen konnte man das Polarlicht gut erkennen, dann auch wieder visuell. Es war weitaus schwächer als am Tag zuvor. Dennoch war es schön. Nach der ersten Welle wartete ich noch auf Weiteres . Aber es blieb dabei. Gegen 21 Uhr kamen noch zwei junge Männer mit dem Auto vorgefahren, stellten ihre Kameras auf. Sie wollten ebenfalls dem Spektakel beiwohnen. Laut ihrer App auf dem Handy sollte Polarlicht zu sehen sein. Ein Karte mit Sichtungen , die gerade oder nur wenige Minuten alt waren, sah man auf dem Display ihres Handys. Ich hatte schon seit einer halben Stunde nichts mehr gesehen. Auch das Polarlichtforum konnte keine Sichtungen melden. Das ist schon verwunderlich. Ich habe keine Ahnung, was die Leute da gesehen haben. Polarlicht wird es nicht gewesen sein. Ich packte meine Sachen jedenfalls zusammen, zumal der Himmel immer wolkiger wurde. In der Nacht zum Mittwoch gegen 0:30 Uhr ist anscheinend wohl noch mal Aktivität zu sehen gewesen. Bei uns war der Himmel aber bewölkt. Also hatte ich nichts verpasst.

Schöner, aber kurzer Ausbruch an anderer Lokation

Dieses besondere Polarlichtevent wurde von vielen Menschen gesehen und auch in den Medien geteilt. Viele Menschen werden begeistert gewesen sein und einige von ihnen werden auch zukünftigen Polarlichtern hinterher jagen. Diese großen Ereignisse sind hier aber sehr selten. Die hellsten Polarlichter , die ich gesehen habe, waren das Halloween-Polarlicht im Jahr 2003 am 30/31.10 2003, das Polarlicht im Mai 2024 und dann jenes Polarlicht am 19. Januar 2026. Viele kleine Polarlichtbeobachtungen, die meisten davon nur photographisch, waren zu beobachten. Oft waren diese sehr hübsch anzusehen. Die großen Ereignisse verschlagen einem aber einfach die Sprache.

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Jupiter verdeckt Mond Ganymed

Am 24. Januar 2026 war Günther Strauch an der Sternwarte und hatte eine Sequenz von Jupiter aufgenommen, in welcher sein Mond Ganymed aus Sicht der Erde verdeckt wurde und gleichzeitig der Große Rote Fleck zum Vorschein trat.

Auch wenn die Sichtbedingungen eine Herausforderung waren, entschloss Günther Strauch seine Beobachtung zu wagen und herausgekommen ist folgende Animation:

Jupiter verdeckt Ganymed (24.01.2026)

Die Sequenz wurde in der Zeit von 22:23 Uhr bis 0:24 Uhr MEZ aufgenommen.

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Das Sternwartenprogramm Februar 2026: Der Orion

Am Winterhimmel findet man sehr viele helle Sterne, die oftmals zur Annahme führen, dass die Nächte im Winter besonders klar sind. Sehr einprägsam sind die Sterne, die das Sternbild des Himmelsjäger Orion zeichnen. Die beiden hellsten Sterne sind der rote Stern Beteigeuze und der blaue Stern Rigel. Beide Sterne gehören zu den Riesensternen und sind 17  Mal schwerer als die Sonne. Die beiden Sterne sind deswegen einige zehntausend Mal leuchtkräftiger als unser Heimatgestirn. Auf Beteigeuze haben die Astronomen ein besonderes Augenmerk. Der rote Riesenstern wird als heißer Kandidat für eine Supernova gehandelt. Dass wir jene finale Explosion des Sterns erleben werden, ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich. Der schöne Anblick des Orions wäre jedenfalls dahin.

Das Sternbild Orion

Sehr auffällig sind die drei Gürtelsterne des Orion, die fast auf einer Linie im gleichen Abstand voneinander stehen und dem Sternbild das besondere Aussehen verleihen. Unterhalb der Gürtelsterne befindet sich das Schwert des Orions. Im Teleskop offenbart sich das Schwert als ein großes nebelartiges Gebiet. Der Nebel im Orion ist der hellste Teil eines großen, aktiven Sternentstehungsgebiets . Im Zentrum befinden sich vier helle Sterne, die ein Trapez formen. Diese Sterne regen mit ihrer starken UV-Strahlung das umgebende Gas zum Leuchten an. Auf Fotoaufnahmen wirkt der Orionnebel spektakulär und im Teleskop bietet er einen schönen Anblick, auch wenn die Farbwahrnehmung unserer Augen sehr begrenzt ist.

Beim Betrachten des Sternbild Orion werden wir Zeuge sowohl von der Entstehung junger Sterne, die sich in den Gaswolken des Orionkomplexes bilden, als auch dem Vergehen von älteren Sternen wie Beteigeuze. Die Sternfreunde laden am 6.Februar und 19. Februar 2026 ab 20:30 Uhr zum öffentlichen Beobachtungsabend an der Sternwarte in Hoxfeld ein. Bei klarem Himmel wird das Sternwartenteleskop unter anderem auf den Orionnebel ausgerichtet..

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Miras Maximum 2026

Bis zur kopernikanischen Revolution gingen die Sternkundigen von der Unveränderlichkeit des Sternhimmels aus. Auch wenn es Beobachtungen von „neuen“ Sternen gab, wie die Supernova 1054 nach Chr. oder die Beobachtung von Tycho deBrahe , der im Jahr 1572 eine Nova im Sternbild Cassiopeia beobachtete, gab es keine Kunde von der Beobachtung veränderlicher Sterne. Somit gilt der Stern omi Cetus als erster entdeckter veränderlicher Stern.
Der ostfriesische Pfarrer und Astronom David Fabricius , übrigens ein Schüler Brahes, entdeckte am 13. August 1596 einen neuen Stern am sonst so vertrauten Firmament. Merkwürdigerweise verschwand der Stern im Sternbild Walfisch in den nächsten Wochen wieder.
Fabricius hielt den Stern für eine Nova und er verfolgte den weiteren Verlauf des Sterns nicht mehr. Der Astronom Johannes Bayer aber trug den Stern als omikron Ceti mit einer Helligkeit der 4. Größe im Jahr 1602 in seine Sternkarte ein.


Quelle https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/Uranometria_Cetus.png)
Cetus in Bayers Uranometria


Im Jahr 1609 konnte Fabricius den Stern wiederfinden
und der seltsame Sterne fand größere Aufmerksamkeit. Die Veränderlichkeit des Stern wurde aber erst von Johannes Phocylides Holwarda, einem friesischen Astronom, im Jahr 1638 untersucht. Johannes Holwarda bestimmte eine periodische Helligkeitsänderung von 11 Monaten. Es verging noch etwas Zeit bis der seltsame Stern soviel Aufmerksamkeit auf sich zog, dass er einen Namen bekam. Johannes Hevelius, der von 1611 bis 1687 in Danzig lebte ,taufte den Stern auf Stella Mira Ceti, was soviel heißt wie Wundersamer Stern im Walfisch. Und Mira ist wirklich wunderlich !!

Der Stern Mira im Walfisch ist der erste bekannte langperiodisch veränderliche Stern und ist heute der Hauptvertreter einer ganzen Sternenklasse, den Mira-Sternen.

Seit der Entdeckung von Mira ist man auf tausende von Sternen gestoßen, die sich wie Mira verhalten. Erklären konnten sich die Forscher das Phänomen der Mirasterne lange nicht. Hierzu muß man folgendes vorwegnehmen: Mirasterne sind pulsierende Sterne- Sterne und periodisch ihre Helligkeit verändern. Von der Erde aus wirken sie wie kosmische Leuchttürme.

Das Geheimnis des Mirasterns ist reine Sternenphysik. Wie unsere Sonne auch, findet im Kern des Sterns die Energiegewinnung durch die Fusion von Wasserstoff zu Helium statt. Die Energie wird als Strahlungswärme in äußere Bereiche des Sterns getragen. Dabei kommt es im Innern des Mirasterns zu einem Wärmestau. In einer bestimmten Schale des Mirasterns wird die durch Kernfusion frei gesetzte Energie für die Ionisierung von Wasserstoff verbraucht. Die Energie wird in dieser Schale gespeichert. Die fehlende Energie lässt den Stern schrumpfen. In regelmäßigen Abständen werden die elektrischen Kräfte innerhalb der Schale dann so stark, daß sich die Atome wieder rekombinieren . Die vorher eingefangene Energie wird wieder freigegeben und der Stern bläht sich auf. Unkonventionell könnte man sagen, daß die ionsierte Wasserstoffschale wie ein riesiges Akku arbeitet, das aufgeladen wird und sobald es voll ist , die Energie wieder abgibt. Der Stern Mira variiert Größe und Temperatur dabei um 20 Prozent.

Soweit ist das Prinzip der Mirasterne gut verstanden, da dieser Prozess von vielen veränderlichen Sternen , wie die Cepheidensterne, bekannt ist. Das Rätsel der Mirasterne ist die Dimension der Helligkeitsschwankungen. Ein Stern, dessen Temperatur und Größe um immerhin 20 Prozent variiert, unterliegt einer Helligkeitsschwankung von 8 Größenklassen !!! Im Maximum ist Mira ein Stern 2. Größe , sein Minimum liegt bei etwa 10 mag. Das ist mehr als erstaunlich. Die Leuchtkraft des Stern verändert sich um den Faktor 1500 .

Die Astronomen suchten lange nach einer Erklärung für das Phänomen Mirasterne.

Es bedarf offensichtlich noch eines zusätzlichen Effektes, der die dramatischen Helligkeitsschwankungen von Mira erklären kann.

Die Lösung lieferten vor kurzem die amerikanischen Astronomen Mark Reid und Joshua E. Goldston, die die Idee ihrer Kollegen Edison Pettit und Seth Nicholson von 1933 aufarbeiteten. Pettit und Nicholson vermuteten, daß sich in der Gashülle von Mirasternen beim Aufblähen Metalloxide bilden können, die das Licht abschwächen. Die beiden Astronomen des frühen 20. Jahrhunderts konnten die Hypothese nicht belegen. Es fehlte die technischen Möglichkeiten.

Goldston und Reid holten dieses nach und konnten das kuriose Verhalten der Mirasterne im Jahr 2001 mit dem Vorhandensein von Metalloxiden erklären.

Das Aufblähen der Sterne kühlt ihre Oberfläche ab. Unterhalb von 1100° Grad Celsius kondensieren Metalloxide .Die Metalloxide vermindern die Lichtdurchlässigkeit der Hülle besonders im sichtbaren Bereich. Zieht sich der Stern wieder zusammen, erhöht sich die Oberflächentemperatur und die Metalloxide verdampfen wieder. Das Licht der fernen Sonne kann ungehindert passieren.

Zu diesen Metalloxiden gehört unter anderem Titanoxid, das in Sonnencremes als weißes Pigment Einsatz findet. Mirasterne liefern sozusagen ihren eigenen Sonnenschutzfaktor.

Im April 2002 wurde die Studie von Goldston und Reid in der Fachzeitung „ Astrophysical Journal “ veröffentlicht.(15504 931..938 )

Ein Helligkeitsunterschied von 8 Größenklassen macht es selbst den ungeübten Beobachter leicht, einen Veränderlichen Stern zu beobachten. Im Januar 2026 steigt die Helligkeit des Sterns Mira sehr schnell an. Das Helligkeitsmaximum wird um den 7. März erwartet. Danach nimmt die Helligkeit von Mira sehr schnell wieder ab.

Diese Daten sind nur als ungefähre Richtwerte zu bemessen, da das Verhalten der Mirasterne wegen der oben erklärten Effekte, die nicht ganz berechenbar ist.

(Quelle: Mira light curve – Category:Light curves of Mira variables – Wikimedia Commons

Mira ist ein veränderlicher Stern, der wirklich leicht zu beobachten ist. Man kann seinen Helligkeitsverlauf über Monate beobachten. Es ist nicht notwendig, sich die jeweiligen Minima oder Maxima ausrechnen zu lassen, wie es bei kurzperiodischen Veränderlichen ist. Die Verfolgung der Helligkeitsverläufe von kurzperiodischen Veränderlichen setzt stabiles klares Wetter über einen längeren Zeitraum voraus. Das ist bei Mira nicht der Fall. Hier verpasst man nichts, wenn man den Stern ein paar Tage nicht zu Gesicht bekommt.


2002 konnte ich Mira mit einer einfachen digitalen Kamera bereits verfolgen. Heute werden einfachste Kameras zu besseren Ergebnissen führen.

Ich hoffe, ich habe den einen oder anderen angeregt, nach dem Stern mit dem Sonnenschutzfaktor zu sehen.