Das Jahr 2026 ist noch jung und die Sternfreunde geben schon mal eine kleine Vorschau auf die astronomischen Ereignisse, die beobachtet werden können. Zu Beginn des Jahres kann man den großen Planeten Jupiter gut beobachten.
In der Oppositionsstellung am 10. Januar steht er genau der Sonne gegenüber und ist somit die ganze Nacht zu beobachten. Mit etwas Glück und guter Horizontsicht in westlicher Richtung können aufmerksame Beobachter am frühen Abend des 18.Februar die helle Venus, die Mondsichel und den Planeten Merkur nah zusammenstehen sehen. Merkur ist wegen der Sonnennähe in der Regel ein schwer zu findender Himmelskörper, obschon er sehr hell ist.
Am 28.März findet der diesjährige deutschlandweite Tag der Astronomie statt. Viele Sternwarten und Planetarien nehmen daran teil. Die Sternfreunde in Borken planen ebenfalls eine öffentliche Beobachtung an diesem Abend. Am 19.April wandert der zunehmende Mond sehr nahe an den Plejaden vorüber. Um 17:06 Uhr (MESZ) bedeckt er den Stern Maia. Leider findet dieses Spektakel am Taghimmel statt und wird bei blauen Himmel nur mit dem Teleskop zu verfolgen sein. Am 9.Juni bietet sich auch ein besonderer Anblick. Nach Sonnenuntergang kann man am Westhimmel die beiden hellen Planeten Jupiter und Venus finden. Die Begegnung der beiden hellen Himmelskörper hat in der Vergangenheit schon zu Anrufen bei Sternwarten und auch der Polizei geführt.
Am 12.8.2025 findet in Mitteleuropa eine Sonnenfinsternis statt. In Westdeutschland werden wir die Finsternis nur als partielle Sonnenfinsternis beobachten können. Beste Aussichten haben Beobachter in Spanien und Portugal. Zuhausegebliebene können sich aber am Abend darauf auf viele Sternschnuppen der Perseiden freuen. Wegen des mondlosen Abends sind die Sternschnuppen besonders gut zu sehen. Frühaufsteher können am 28. August eine partielle Mondfinsternis sehen. Allerdings muss man sich dafür um 4:30 Uhr aus dem Bett bewegen.
Ebenfalls für die Frühaufsteher kann man das folgende Ereignis betrachten. In den Morgenstunden des 11.Oktober durchwandert der Planet Mars den Sternhaufen Präsepe im Sternbild Krebs. Der Sternhaufen wird im Volksmund auch Krippe oder Bienenkorb genannt und ist im Fernglas ein hübscher Anblick. Der rote Planet macht das Auffinden noch leichter. Neben dem Mars ist auch der Planet Saturn im Oktober gut zusehen. Die beiden Himmelskörper werden dann gerne in das Beobachtungsprogramm der Sternfreunde aufgenommen. Mit etwas Glück kann man im November die Sternschnuppen der Leoniden beobachten, deren Maximum um den 17.11. herum ist. Leider fallen die Sternschnuppen gerne in den Novemberregen. Die Sternfreunde sehen also vielen Sternstunden entgegen. Auch 2026 werden regelmäßig Beobachtungen an der Sternwarte angeboten. Der erste Termin ist der 2.Januar 2026 ab 20:30 Uhr. Ein weitere Termin findet am 22.Januar ab 20:30 Uhr bei klarem Himmel statt.
500 Jahre Aufklärung und dann sowas… eigentlich haben Kometen den Schrecken verloren, den sie bis in die Neuzeit auslösten. Die Zuchtruten Gottes, die Ungemach über Land und Volk brachten, wurden zu harmlosen himmlischen Phänomenen , die den Gesetzen der Himmelsmechanik gehorchten. Spätestens seit der Wiederentdeckung des Halley’schen Kometen im Jahr 1759 war klar, dass Kometen auf Keplerbahnen unterwegs sind. Zwar ist ihr Auftauchen immer noch eine Überraschung und auch heute kann man die hellen Kometen der Zukunft nicht vorhersagen. Doch ihr Verhalten und ihre Erscheinung sind nicht rätselhaft oder mysteriös. Trotz aller Aufklärung gibt es aber immer noch Irrläufer. Der Halley’sche Komet versetzte die Bevölkerung im Jahr 1910 in Angst und Schrecken wegen der Entdeckung von Blausäure-Molekülen im Schweif. Man befürchtete eine kollektive Vergiftung der Erdbewohner, weil die Erde den Kometenschweif durchkreuzen würde. Diese Art der Furcht ist natürlich anders begründet als die Gottesstrafen des Mittelalters, eben eine moderne Version. Auch 1997, als der helle Komet Hale-Bopp am Himmel erschien, waren einige esoterisch angehauchte Menschen davon überzeugt, dass es sich um ein außerirdisches Raumschiff handeln würde. Die Götter der Vorfahren wurde offenbar durch andere Himmelswesen ersetzt. Im März 1997 starben 39 Mitglieder der „Heavens Gate“-Sekte durch gemeinschaftlichen Selbstmord, weil sie die Erde verlassen und sich dem Kometen Hale Bopp anschließen wollten. Eine traurige Geschichte um den Kometen, der vielen Menschen damals eine Freude bereitete.
Die meisten Kometen ziehen durch das innere Sonnensystem, ohne dass die Öffentlichkeit Notiz davon nimmt. Sie sind einfach zu leuchtschwach, als dass man sie mit dem bloßen Auge oder mit dem Fernglas sehen könnte. Innerhalb der lichtverschmutzten Ort wird es noch schwieriger einen Kometen zu beobachten. So bleiben viele Kometen den Amateurastronomen vorbehalten, die mittels Teleskopen und speziellen Kameras auch Kometen ablichten können, die das Auge nicht mehr wahrnehmen kann.
Und um eine solchen Komet geht es hier. Der Komet heißt 3I/ATLAS. Er wurde am 1.Juli 2025 vom ATLAS-Beobachtungsprogramm des El-Sauce-Observatorium in Chile entdeckt. Das ATLAS-Programm ist speziell auf die Suche nach Asteroiden und Kometen ausgelegt. So genommen, ist die Entdeckung eine Routine. Die aktuelle Kometenliste (Stand Dezember 2025) zeigt nahezu 100 Kometen, die durch ATLAS entdeckt wurden. Somit ist 3I /ATLAS nicht ungewöhnlich.
Die ersten Berechnungen der Kometenbahn änderten die Situation dann doch. Die Bahn des Kometen war sehr stark hyperbolisch und der Komet ist sehr schnell unterwegs mit fast 60 km/s. Mit diesen Eigenschaften kommt er wohl aus den Tiefen des interstellaren Raums und ist nur auf der Durchreise durch unser Sonnensystem. 3I/ATLAS ist das dritte Objekt seiner Art, das bekannt ist. Nach der Durchreise von 1I/Oumuamua und dem Komet 2I/Borisov, haben wir es mit dem ATLAS-Objekt wieder mit einem interstellaren Wanderer zu tun. Der Himmelskörper Oumuamua wurde sehr spät erst entdeckt und er zeigte keine kometarische Aktivität. Man würde ihn heute als Asteroiden klassifizieren. Die Beobachtungen deuteten auf einen länglichen Körper hin, der langsam rotierte. Wissenschaftlich ist Oumuamua bestimmt interessant und viele seiner Eigenschaften blieben wegen der Kürze der Beobachtungszeit im Dunkeln. Die Wissenslücken wurden dann in den Medien schnell zu Rätseln und die Rätsel zu Anomalien. Hinzu kam die Aussage eines Harvard-Professors, es könnte sich auch um Technologie einer außerirdischen Existenz handeln und schon war eine wunderschöne Verschwörungstheorie geboren. Was Oumuamua auch immer war, wir werden es nicht erfahren. Der Himmelskörper ist außerhalb unserer Reichweite. Der zweite Komet 2I/Borisov blieb von Verschwörungstheorien verschont. Er war offenbar eindeutig ein Komet. Seine hyperbolische Bahn legt die Vermutung nahe, dass er ebenfalls aus dem interstellaren Raum zu uns kam. Er könnte allerdings auch ein Objekt der Oort’schen Wolke sein, die sich über ein Lichtjahr von der Sonne in den Weltraum erstreckt. Viele langperiodische Kometen finden ihre Ursprungsheimat in dieser Wolke, die Hendrik van Oort in den 1950er Jahren vorhersagte.
Nun also kam der dritte Besucher aus dem interstellaren Raum zu uns. Der Name 3I /ATLAS sagt es schon. Der Name wurde dem Kometen allerdings erst nach der Entdeckung seiner interstellaren Herkunft gegeben. Um es vorwegzunehmen, der Komet verhält sich bisher wie ein typischer Komet. Er ist nicht mal sehr auffällig. Und dennoch ist er wieder als Artefakt außerirdischer Intelligenz im Gespräch. Der besagte Harvard-Professor fand zahlreiche Anomalien im Verhalten des Kometen, die darauf hindeuten, dass der Komet nicht nur natürlicher Art ist. Die Bahn des Kometen ist seltsam, der Komet erfährt eine merkwürdige Beschleunigung, die Geometrie des Schweifs ist ungewöhnlich, der Komet rotiert merkwürdig, um einige Behauptungen zu erwähnen. Zusammengefasst könnte man glauben, dass der Komet nicht normal ist. Nüchtern betrachtet gibt es den normalen Kometen aber auch nicht. Es gibt ja auch nicht den normalen Planeten oder den normalen Stein. Jedes Objekt im Universum hat Eigenschaften, die es von einem anderen Objekt unterscheidet. Zumindest im makroskopischen Bereich. Und gerade bei Kometen sind viele Eigenschaften ohne Zutaten außerirdischer Intelligenzen gut zu erklären.
Außerirdische Intelligenz und Leben außerhalb des Sonnensystems ist durchaus denkbar, vielleicht sogar wahrscheinlich. Aber man kann davon ausgehen, das es in unserer Galaxie eher die Ausnahme ist. Die meisten bisher entdeckten Planeten bieten nicht die Bedingungen für Leben, wie wir es uns vorstellen. Außerirdische, die erfolgreich im interstellaren Raum herumreisen, sind wohlmöglich sehr, sehr selten. Im Gegenzug dazu ist anzunehmen, dass es viele Sterne in der Milchstraße gibt, die Eis- und Gesteinswolken , Asteroiden und Kometen in ihrer Umgebung besitzen. Interstellare Oort-Wolken sind keine Seltenheit in der Milchstraße. So ist es auch viel wahrscheinlicher, dass uns ein interstellarer Komet besucht als dass ein Relikt außerirdischer Technologie unsere Bahn kreuzt. Letzteres wäre natürlich spannender und die Berichte, die gerade in den Online-Medien zu finden sind, verdienen mit Sensationsnachrichten ihre Klickzahlen.
Soviel Aufmerksamkeit wie in den paar Monaten seiner Sichtbarkeit, wird er in den letzten Milliarden Jahren nicht bekommen haben. Seine Reise durch das Sonnensystem dauert nur wenige Jahre . In 40 Jahren wird er dank der großen Reisegeschwindigkeit die Heliopause erreicht haben und sich dem Einfluss der Sonne mehr und mehr entziehen. Er kam aus der Richtung des Milchstraßenzentrums , dem Sternbild Schütze und reist weiter in Richtung des Sternbilds Zwillinge. Dort wird sich seine Spur verlieren auf Nimmerwiedersehen.
Der grüne Komet C/2025 R2 SWAN- typischer Einheimischer
In den letzten Jahren wurden viele Programme zur Durchmusterung des Himmels ins Leben gerufen. ATLAS ist nur eines davon. Diese Programme entdecken sehr viele Kleinkörper, die im Sonnensystem unterwegs sind. Die meisten davon gehören sein viereinhalb Milliarden Jahren dazu. In Zukunft werden vermutlich aber auch immer mehr interstellare Besucher entdeckt werden, die auf der Durchreise sind. Im Fall von 3I/ATLAS kann man sagen, dass sich der Komet gar nicht stark von den „eigenen“ Kometen unterscheidet. Er hat einen größeren Anteil an Kohlendioxid, vielleicht weniger Wasser . Aber ansonsten ist er unauffällig. Sogar die grünliche Färbung durch Di-Kohlenstoff kann man beobachten.
Im Dezember 2025 und Januar 2026 kann man den Kometen auf dem Weg in Richtung der Zwillinge noch verfolgen. Er wird allerdings an Helligkeit verlieren. Ende Januar wird der wahrscheinlich die 15. Größenklasse erreichen.
Der Komet C2025K1 (ATLAS) am 15.12.2025 (8″Newton/f3,9 ,ZWO ASI 294mm)
Im Mai 2025 entdeckte das ATLAS -System, das in Chile automatisch nach Asteroiden sucht, den Kometen C/2025K1 (ATLAS). Nachfolgende Berechnungen der Kometenbahn ergaben für den Besucher aus der fernen Oort’schen Wolke eine Annäherung an die Sonne auf 0,34 AU, also etwas mehr als 50 Millionen Kilometer. Die Annäherung ist durchaus kritisch für einen Kometen . Viele Kometen überstehen den Flug um die Sonne nicht, wenn sie derart nah passieren müssen. So waren die Astronomen schon gespannt, ob der Komet im Oktober 2025 seine Perihelpassage überstehen wird. Am 19. Oktober fotografierten die passionierten Kometenjäger G. Rhemann und T. Jäger den Kometen und konnten den Sternfreunde die gute Nachricht überbringen, dass im Herbst 2025 ein weiterer interessanter Komet am Himmel zu sehen sein wird. Man kann die Aufnahmen und viele weitere Kometenaufnahmen auf der Internetseite der Fachgruppe Kometen ( https://fg-kometen.vdsastro.de/) bewundern. Im November überraschte der Komet dann doch. Auf den Aufnahmen konnte man 3 Fragmente innerhalb der hellen Koma sehen.
Der Komet war offenbar zerbrochen. Ein wirkliche Sensation ist das aber nicht. Kometen sind sehr fragile Objekte, regelrechte Schutthaufen aus Staub und Eis. Die Strahlung in Sonnennähe lässt das Eis verdampfen und Staub wird freigesetzt. Dieser Prozess kann zum Zerbrechen des Kometen führen. Für die Hobbyastronomen ist das eine sehr schöne Gelegenheit, die Entwicklung zu dokumentieren. Großteleskope werden weniger dafür eingesetzt. Weltweit dokumentieren tausende von Amateurastronomen die Entwicklung des Kometen . Zu Beginn konnte man die Fragmente, die typischerweise alphabetisch Fragment a,b und c genannt wurden , beobachten. Ende November wurden die Kometenbeobachter Zeuge von der Auflösung des Fragments B. Die Fragmente A und C zeigten sich bis heute (15.12.) in einem Abstand von 14 Bogensekunden von einander entfernt. Damit sind die beiden Fragmente etwa 8000 km voneinander entfernt. Am 11.12. lagen sie noch 7100 km voneinander entfernt. Sie trennen sich also mit weniger als 10km/h voneinander. Allerdings ist das die projizierte Bewegung, da für die Messung die radiale Komponente fehlt.
Der Komet hatte am 24. November seinen erdnächsten Punkt der Bahn erreicht und ist entsprechend schnell am Himmel unterwegs. Bei Brennweite über 500 mm waren Belichtungszeiten von weniger als 60 Sekunden nötig, um den Kometen einigermaßen scharf abzubilden. Seinen erdnächsten Punkt war immerhin 60 Mio.Kilometer entfernt. Zu dieser Zeit erreichte er die 8.Größenklasse und konnte visuell im Teleskop leicht wahr genommen werden. Im Dezember sank seine Helligkeit auf > 12 mag und es wurde immer schwieriger, den Kometen visuell zu entdecken. Die Kameras und die lichtstarken Teleskope der Amateurastronomen werden den Kometen aber noch eine Weile verfolgen können.