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Das Sternwartenprogramm Mai 2026: Der Abendstern im Teleskop

Die Venus im Sternwartenteleskop (Aufnahme: Strauch )

Nach Sonnenuntergang ziert ein helles Gestirn in diesen Tagen den Westhimmel. Der Abendstern, wie er im Volksmund genannt wird, ist kein richtiger Stern, sondern der Planet Venus. Die Venus verfolgt uns auf der inneren Sonnenbahn und gewinnt in den nächsten Wochen einen immer größeren scheinbaren Abstand zur Sonne. Bis zum 15 August wandert sie durch die Sternbilder Zwillinge, Krebs, Löwe in Richtung der Jungfrau. Dort ist dann der Winkelabstand zur Sonne maximal. Die Astronomen sprechen von der größten Elongation. Erst am 24. Oktober wird die Venus die Erde auf der Innenbahn überholen und im Sonnenlicht verschwinden. Einige Tage später taucht sie dann als Morgenstern am Osthimmel auf . Die Venus wird uns den ganzen Sommer über begleiten. Am 18. Mai wird sie vom zunehmenden Mond überholt und am 9. Juni kann man sich auf eine nahe Begegnung zwischen Venus und Jupiter freuen. Während die Venus an diesem Abend nur 179 Millionen Kilometer von uns entfernt ist, ist der Jupiter 904 Millionen Kilometer entfernt und erscheint nur halb so hell wie die Venus.

Die Venus beflügelte nicht nur die Dichter. Die Astronomen des 19. Jahrhunderts hielten Leben auf der Venus für möglich. Sie ist etwas kleiner als die Erde und von einer dichten Wolkenhülle umgeben. Man konnte sich warme Ozeane und dichte Urwälder vorstellen. Die Vorstellung von Leben auf den anderen Planeten des Sonnensystems war im 19. Jahrhundert durchaus populär. Mit der Landung der Verena 7 Sonde im Jahr 1970 wurde es aber offenbar, dass die Venus ein höllischer Ort ist. Die Oberflächentemperatur beträgt 450°C bei einem Atmosphärendruck von 90 bar. Die Sonde überlebte nur wenige Minuten. Die Entwicklung von Leben war damit ausgeschlossen. Im Sonnensystem scheinen wir ziemlich alleine zu sein.

Der Blick auf die Venus zeigt keine Oberflächendetails. Sie scheint als helles Planetenscheibchen am Himmel. Deutlich kann man aber ihre Phasen verfolgen, weil die Venus innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist. Während sie Anfang Mai noch fast als Vollvenus erscheint, nimmt sie in den Folgewochen ab. Am 15 August ist Halbvenus. Danach nähert sie sich der Erde immer mehr und wird langsam zur Venussichel, die aber an Größe gewinnt. Am 19. September hat sie ihren Größten Glanz und erreicht damit die größte Helligkeit während ihrer Sichtbarkeitsphase als Abendstern.

Die Sternfreunde zeigen die Venus in den nächsten Wochen an den öffentlichen Abenden mit ihren Teleskop an der Josef Bresser -Sternwarte. Im Mai beginnen die Beobachtungsabende am 8.5.26 und 21.5.26 ab 22:00 Uhr.